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Wellesz,
Egon Joseph
* 21.10.1885 Wien,
† 9.11.1974 Oxford/GB.
Komponist, Musikwissenschaftler, Byzantinist.
Klavierunterricht bei C. Frühling, ab 1904 Jus- und Musikwissenschaftsstudium an der Univ. Wien. 1904/05 war er Schüler A. Schönbergs, beendete diese Ausbildung jedoch nicht. Er promovierte 1908 bei G. Adler und gab 1911 im Rahmen der
Denkmäler der Tonkunst in Österreich
die Oper Costanza e fortezza von J. J. Fux heraus. Nach seiner Habilitation über F. Cavalli begann er 1913 seine Lehrtätigkeit an der Univ. Wien, daneben hielt er musikhistorische Vorlesungen am Neuen Wiener Konservatorium (1911–15) und war als Musikkritiker der Zeitschrift Der Neue Tag tätig (1919/20). Im Zuge seiner Beschäftigung mit byzantinischer Musik gelang ihm um 1916 die Entzifferung mittelbyzantinischer Neumen. Dieser Entdeckung folgte 1931 die Institution der Monumenta Musicae Byzantinae (zusammen mit Carsten Høeg und Henry Julius Westenhall Tillyard). Gleichermaßen setzte sich W. für zeitgenössische Musik ein, diesem Engagement entstammen etwa die erste Biographie Schönbergs (1921) und die Beteiligung an der Gründung der
Internationalen Gesellschaft für Neue Musik
(IGNM; 1923). 1929 wurde W. zum ao. Prof. ernannt. Seine Anwesenheit bei Aufführungen seiner symphonischen Dichtung
Prosperos Beschwörungen in den Niederlanden ermöglichte ihm 1938 die Flucht (Exil) nach Großbritannien. 1939–74 unterrichtete er am Lincoln College in Oxford, 1946 erhielt er die britische Staatsbürgerschaft.W.’ Kompositionen sind zunächst vom Impressionismus, dann von der atonalen Phase Schönbergs beeinflusst. Nach einer Schaffenspause (1938–43) entstanden 9 Symphonien, die einen Bogen von der Tradition A. Bruckners und G. Mahlers (Symphonien 1–4) über Varianten der Zwölftontechnik (5. Symphonie) bis hin zu einer klanglichen und motivischen Ökonomie tonaler und atonaler Gestaltungsmittel spannen (Symphonien 6–9). G: Gedenktafel Kaasgrabengasse 38 (Wien XIX); Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof.
P: Ehrendoktorat der Univ. Oxford 1932; Commander of the Order of the British Empire 1957; Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1959; Großer Österr. Staatspreis 1961; zahlreiche internationale u. nationale Auszeichnungen.
W: Opern (Alkestis 1922/23; Die Opferung der Gefangenen 1924/25; Die Bakchantinnen 1929/30), Ballette, Orchesterwerke (Vorfrühling 1912; Prosperos Beschwörungen 1934–36), 9 Symphonien (1945–71), Konzerte, Chormusik (Mirabile mysterium 1967), Klavier- u. Orchesterlieder (Sonette der Elizabeth Barrett-Browning 1934; Lieder aus Wien 1959 [T: H. C. Artmann]), Kammermusik (9 Streichquartette 1911–66), Klaviermusik.
Schr: Giuseppe Bonno (1710–1788). Sein Leben u. seine dramatischen Werke, Diss. Wien 1908 (veröff. in SIMG 11 1909); Studien zur Gesch.e der Wiener Oper. Cavalli u. der Stil der Venetianischen Oper von 1640–1660 in StMw 1 (1913); Arnold Schönberg 1921; Byzantinische Musik 1927; Die neue Instrumentation 2 Bde. 1928/29; History of Byzantine Music and Hymnography 1949, 21961; The Origins of Schoenberg´s Twelve-Ton-System 1958; Fux 1965; zahlreiche Artikel in Musikbll. des Anbruch, ÖMZ u. ZfMw.
Lit: NGroveD 27 (2001); R. Schollum, E. W. 1964; G. Schneider,
E. W.: Studien zur Theorie u. Praxis seiner Musik,
Diss. Innsbruck 1980; G. Brosche (Hg.), [Kat.] Zum 100. Geburtstag von E. W. 1985; L. Wedl, „Die Bakchantinnen“ von E. W. oder das göttliche Wunder, Diss. Wien 1990; K. Eckhardt in ÖMZ 11 (1994); U. Eckhart, Das Verhältnis von Klangfarbe u. Form bei E. W., Diss. Göttingen 1993; D. Symons, E. W. 1997; K. Eckhardt/H. Heher in ÖMZ 10/11 (1999); J. Koder/H. Krones (Hg.), [Kat.] E. W. Komponist, Byzantinist, Musikwissenschaftler 2000; S. Scharenberg,
Überwinden der Prinzipien. Betrachtungen zu Arnold Schönbergs unkonventioneller Lehrtätigkeit zwischen 1898 und 1951
, Saarbrücken 2002, S. 323; Haas (Hg.), [Kat.] Hans Gál u. E. W. Continental Britons 2004; Datenbank des Arnold Schönberg-Centers (Schüler in Wien und Mödling); www.egonwellesz.at (4/2006).
StSchm
[ Zuletzt aktualisiert: 2010/10/11 13:26:09 ]
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