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Komponistenbund, Österreichischer (ÖKB)
Standesvertretung der österreichischen Komponisten, die am 14.6.1913 in den Reihen der 1897 gegründeten AKM zunächst als Oesterreichischer Komponisten-Club ins Leben gerufen wurde. Erster Präsident wurde E. Kremser, Vizepräsidenten waren C. M. Ziehrer und Philipp Silber. 1915 folgte H. Reinhardt als Präsident, 1916 F. Lehár als zweiter Vizepräsident, und im selben Jahr wurde die Vereinigung (die 1917 170 Mitglieder zählte) in Österreichischer Komponistenbund umbenannt. Nach dem Tod Reinhardts hatten 1922–25 der Verleger Ch. Weinberger sowie dann R. Sieczynski das Präsidentenamt inne, der ab 1926 in den AKM-Mitteilungen Vereinsnachrichten erscheinen ließ und gemeinsam mit der RAVAG Abende mit Werken österreichischer Komponisten veranstaltete. Später gab es von einer eigenen Musikkommission durchgeführte Programmierungen; ihr gehörten u. a. Alban Berg, H. Gál, J. W. Ganglberger, P. v. Klenau und K. Lafite an.

1927 wurde der ÖKB in Sektionen für ernste und für heitere Musik geteilt, für Erstere zuständiger Vizepräsident war J. Marx; dem Vorstand gehörten u. a. A. Berg, H. Gál, R. Heger, K. Weigl und E. Wellesz bzw. Richard Glück, K. M. Jäger, W. A. Jurek und L. Rochlitzer an. Eine Subvention durch die Stadt Wien, Kooperationen mit dem Rundfunk, selbst veranstaltete Konzerte und Austauschkonzerte mit ausländischen Rundfunkanstalten waren Ergebnisse der neuen Anstrengungen, die 1930 vollends zur Teilung in eine Sektion für „ernste“ und eine für „Unterhaltungsmusik“ führten. Als Präsidenten fungierten Marx bzw. Sieczynski, als Vizepräsidenten Wellesz bzw. Glück, als Vorstandsmitglieder u. a. M. Brand und P. A. Pisk. Die internationalen Kontakte florierten in noch höherem Maße, und auch in Österreich bemühte man sich um eine regelmäßigere Präsenz des zeitgenössischen Schaffens.

Am 12.10.1938 wurde der ÖKB aufgelöst, weil er „weitgehend unter jüdischer Führung gestanden“ habe. An seine Stelle trat ein Bund deutscher Komponisten aus Österreich, welchem als Leiter der Musikkritiker des Völkischen Beobachters, F. Bayer, „zugewiesen“ wurde. Die Neugründung nach dem Krieg fand am 7.11.1947 statt; Obmann der Sektion „Ernste Musik“ wurde wieder J. Marx, Obmann der Sektion „Unterhaltungsmusik“ R. Sieczynski (1952 folgte ihm V. Hruby), Vorstandsmitglieder waren u. a. H. E. Apostel, F. Fox, V. Keldorfer, H. Lang und F. Wildgans. 1949 hob die Generalversammlung die rigorose Spartentrennung wieder auf; seit damals stehen dem ÖKB (nur) ein Präsident sowie ein Vizepräsident der jeweils anderen Sparte vor. Als neue Vorstandsmitglieder wurden u. a. A. Melichar, M. Rubin, M. Schönherr und G. Zelibor gewählt, später kamen L. Babinsky, H. Jelinek und A. Uhl hinzu.

Wieder kämpfte man v. a. um eine stärkere Berücksichtigung des zeitgenössischen österreichischen Schaffens in Oper, Konzert und Rundfunk, ab 1952 v. a. in der Autorenzeitung der AKM; hier wurde insbesondere M. Rubin aktiv. Ab 1956 veranstaltete man wieder eigene Konzerte, 1959 richteten ÖKB und Rundfunk die Woche der österreichischen Unterhaltungsmusik ein (die 1966 auf die „Ernste Musik“ ausgedehnt wurde), erste Schallplatten wurden produziert. Der 1965 neu gewählte Vorstand (Präsident: R. Schollum; Vizepräsident: H. Sandauer; weitere Mitglieder u. a. Th. Ch. David, A. Kaufmann, V. Korda und Augustin Kubizek) intensivierte die Zusammenarbeit mit dem Rundfunk, darüber hinaus bezog er sowohl die Musikpädagogen als auch die Musikwissenschafter in die Arbeit ein und gründete 1966 je einen Arbeitskreis für diese beiden Disziplinen. 1968/69 sowie ab 1980 erschienen eigene Mitteilungen, 1970–79 sogar ein Fachblatt (Der Komponist, Redaktion Augustin Kubizek).

1969 wurde L. Babinski Vizepräsident, 1970 K. Rapf Präsident, in den Vorstand kamen u. a. H. Ebenhöh, J. Fellner, K. Grell, K. Hueber, H. Kratochwil, H. Krones, N. Pawlicki, W. Szmolyan und E. Urbanner, bald danach noch K. Füssl, R. Haubenstock-Ramati und E. Vogel. Verstärkt in Angriff genommen wurden nun die Schallplattenproduktion, die gemeinsamen Konzerte mit dem ORF sowie anderen Veranstaltern, internationale Austauschkonzerte sowie diverse Eigenveranstaltungen (darunter Wettbewerbe und Symposien). Ein Fachblatt Komponist und Musikerzieher wurde herausgegeben, Nachschlagewerke und Unterrichtskassetten folgten, Aktivitäten, die von den nächsten Präsidenten R. Schollum (1983/84), R. Bischof (1984–86), Th. Chr. David (1986–88) und G. Track (1988–92) sowie Vizepräsident J. Fellner (1989–99) fortgesetzt wurden, wobei v. a. auch junge Komponisten Aufführungs- und Präsentationsmöglichkeiten erhielten. 1984 gründete man zudem gemeinsam mit IGNM und ÖGZM die Interessengemeinschaft österreichischer Komponisten und veranstaltete den Ersten Österreichischen Komponistenkongreß.

1992 wurde H. Gattermeyer Präsident des ÖKB (bis 2001), als neue Vorstandsmitglieder fungierten in den nächsten Jahren u. a. R. Bonelli, K. Brunthaler (seit 1999 Vizepräsident), S. Lang, G. Last, E. Hartzell, H. Heher, H. Lauermann, H. Salomon, D. Schermann, U.-D. Soyka, R. Staar und W. Wagner. Hauptaufgabe war es nun, trotz beschnittener Subventionen möglichst viele Aktivitäten fortzuführen, was man in vielen Fällen durch verstärkte Koproduktionen (u. a. mit MUniv.en) erreichte; dabei wurde ein besonderes Gewicht auf Gesprächskonzerte gelegt, um Barrieren abzubauen („Komponisten zum Anfassen“) und dem Publikum Informationen an die Hand zu geben. 2001 übernahm D. Kaufmann das Amt des Präsidenten, der sich verstärkt um Kontakte zu anderen Musikerorganisationen sowie um gemeinsame standespolitische Aktionen bemüht.


Literatur
eigene Recherchen.

Autor(en)
Hartmut Krones
Empfohlene Zitierweise
Hartmut Krones, Art. „Komponistenbund, Österreichischer (ÖKB)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]