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Damenkapelle
Ausschließlich oder vorwiegend aus Musikerinnen zusammengesetzte Kapelle. D.n stellten im Wien der Ringstraßenzeit eine musikalische wie auch optische Attraktion dar. Die „weißen Maderln“ präsentierten sich in langen weißen, gebauschten und gerüschten Kleidern mit zur Schleife gebundenen farbigen Bändern. Die erste bekannte D. ist jene von J. Weinlich, die am 13. August 1868 in der Neuen Dreher'schen Bier-Halle (Wien III) erstmals in der Besetzung drei Violinen, Harmonium Cello, Harfe, Flöte und Klavier auftrat. Zu den ersten, der Frauenorchester dieser Art ständig engagierte, zählte in Wien Ignaz Prohaska: Sein 1872 im Prater eröffnetes Restaurant wurde eine bedeutende Spielstätte: Etwa für die D. G. Richter (gegr. 1885), die dort mehr als 30 Jahre konzertierte, nach dem Ersten Weltkrieg für die D. R. H. Dietrich. Die D. Messerschmidt-Grüner (in einer Festschrift 1924 als erstgegründete D. angeführt) konzertierte in den 1870er Jahren beim Eisvogel, beim Goldenen Kegel und beim Goldenen Kreuz. Beim Swoboda trat in den 1880er Jahren u. a. das Damenorchester Marie Pollak auf: Ihre 1883 gemeinsam mit ihrem Mann gegründete Kapelle Wiener Schwalben bestand bis 1914. Die D. Vindobona musizierte um 1900 in den Lokalen Spatenbräu, beim Goldenen Kegel und im Gasthaus Zum Paradiesgarten. 1888 engagierte der Eisvogel die D. E. Hornischer und blieb bis in die 1930er Jahre dieser Unterhaltungsform treu (1930 Berta Prüller, 1931 und 1935 Herma Kögler). D.n musizierten weiters im Gasthaus Zum braunen Hirschen, wo sich etwa 1914 die D. Bettina und der Damentrompeterchor Teutonia ein Stelldichein gaben. Auch die Rotunde wartete um 1900 mit Frauenorchestern (etwa der D. Kirchmayer) auf. Katharina Fucik, ehemaliges Mitglied der D. Messerschmidt-Grüner, erinnerte in einem Interview an M. Schipek und J. Amann-Weinlich, zwei Orchestermusikerinnen, die sich mit einer eigenen Kapelle selbständig machten. An weiteren Namen von D.n finden sich u. a.: Schwarz, Hackenschmidt, Litschauer, Redlich, Uhl, Rosnapfel. Über das Repertoire (Schwerpunkt Wiener Walzer) erfährt man in der ohnedies spärlichen (Liebhaber-)Literatur so gut wie gar nichts. Als Dirigentin fungierte nicht selten eine Stehgeigerin. Tourneen führten die Damenorchester, die es nicht nur in Wien gab, nach Marienbad, Nizza, London, Paris, Russland, in die Schweiz, in die Niederlande und bis nach Amerika. Bildende Künstler nahmen sich dieses Sujets an: etwa Felician von Myrbach (D. im Prater, Zeichnung). Postkarten zeigen die Besetzungsform (Geigen, Querflöte, Cello, Kontrabass, große/kleine Trommel, Tschinellen). Die D. soll bereits vor den Herren(salon)kapellen die Pauke verwendet haben. Unter die etwa sechs bis neun Musikerinnen mischten sich auch Männer (am Harmonium). Sie hatten nicht nur die Leitung inne, sondern gaben (mit abgekürztem Vornamen) der Kapelle auch ihren Namen: etwa G. Richter oder der Kapellmeister und Komponist Emanuel Hornischer. Letzterer war Mitglied der Kapelle Messerschmidt-Grüner, ehe er sich 1888 mit eigener Konzession und eigener D. selbständig machte. Er komponierte und arrangierte auch für sein Orchester, das er 24 Jahre lang leitete. „Dö von der Damenkapell’n“ verewigten W. Wiesberg und Ferdinand Fink in ihrem Couplet Die Damenkapell’n (op. 250).
Literatur
Czeike 1 (1992); Fs. anläßlich des 10jährigen Bestandes des Gremiums der Salonkapellenmusiker und Musikerinnen 1924; A. T. Leitich, Damals in Wien [o. J.], 162 (Zeichnung von Felician von Myrbach); Fremden-Bl. 13.8.1868, [13]; Archiv Wiener Volksliedwerk Liedflugblatt C 9,4; Archiv Wiener Volksliedwerk Zeitungsartikel WBz-4/70, WBz-1/150, WBz-1/182, WBz-3/115, WBz-3/116.

Autor(en)
Gertraud Pressler
Empfohlene Zitierweise
Gertraud Pressler, Art. „Damenkapelle‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/04/2018]