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Dauber, Dauber, Dol Familie
Dol (Dolf, Adolf): * 1894-07-2323.7.1894 Wiznitz bei Czernowitz/Bukowina (Wyschnyzja bei Černivci/UA), † 1950-09-1515.9.1950 [nicht: 1949] Prag. Geiger, Kapellmeister und Komponist. D. stammte aus einer Musikerfamilie, Vater Moses war Geiger, Großvater Abraham Klarinettist. Seinen ersten Geigenunterricht erhielt er im Alter von vier Jahren vom Vater, ein Jahr später durfte er nachmittags bereits mit dem Großvater bei bäuerlichen Hochzeiten mitgeigen. In Czernowitz Unterricht bei Jakob Krämer, dem Direktor des dortigen Musikvereines. Ab 1903 vier Jahre lang Unterricht am Bukarester Konservatorium, danach Rückkehr nach Czernowitz. Dort leitete er als 15jähriger ein Salonorchester, dessen großer Erfolg ihm ein Engagement nach Lemberg als Leiter eines 18-Mann-Orchesters brachte. Im Alter von 17 Jahren ließ er sich in Brünn nieder, wurde Schüler von O. Ševčík in Pisek/CZ und studierte Harmonielehre und Kontrapunkt bei C. Frotzler in Brünn. Daneben Geiger eines Quintettes in einem Kaffeehaus (Kaffeehausmusik) und Tourneen mit einem Kammerquartett. Während des Ersten Weltkrieges zunächst Konzertmeister und Sologeiger des IR.s Nr. 3, mit dem er bei einem Konzert G. Puccini kennenlernte, später angeblich auf Betreiben F. Lehárs Konzertmeister und Solist der Hoch- und Deutschmeister. Nach Kriegsende Rückkehr nach Brünn und Wiederaufnahme des Studiums bei O. Ševčík. Gründung eines Kammerquartettes, einer Tournee war nur wenig Erfolg beschieden. D. erkannte die Zeichen der Zeit, war von der aus Amerika kommenden neuartigen Musik beeindruckt und beschloss, sich der „leichten Muse“ zuzuwenden, den Unterricht bei Ševčík jedoch beizubehalten. Zunächst in einem Prager Kaffeehaus Leiter eines 12-Mann-Orchesters, danach im Nobelhotel Fürstenhof in Marienbad, wo zu den Stammgästen u. a. E. Kálmán, O. Straus, A. Nikisch, A. Grünfeld, B. Granichstaedten, E. Eysler und Egon Erwin Kisch zählten. Eine enge Freundschaft schloss D. zu dieser Zeit mit R. Stolz und dessen damaliger Frau F. Ressel, mit Otto Hein und F. Löhner. Im Winter 1920/21 konzertierte D. im Wiener Hotel Bristol, zunächst nur mit einem Quintett, sein Marienbader Erfolg setzte sich auch hier fort. Mit der Plattenfima His Master’s Voice schloss er einen Exklusivvertrag ab, konnte ein ständiges Orchester mit 36 Musikern halten und zu den Plattenaufnahmen kamen Auftritte in verschiedenen Wiener Etablissements, große Konzerte sowie Rundfunkaufnahmen. Im November 1927 präsentierte er sein neu gegründetes Jazz-Symphonie-Tanz-Orchester, mit dem er regemäßig im Café Westminster und in der Sacher-Bar auftrat. Im Rahmen eines sog. „Matineekonzertes“ Anfang Dezember 1927 in der Sacher-Bar leitete er die österr. EA von George Gershwins Rhapsodie in blue (Klavier: Elsie Teele). Die Sommer verbrachte er regelmäßig in Marienbad. Mitte der 1930er Jahre verlegte D. seinen Wohnsitz nach Prag, wo er für Schallplatte, Film und Rundfunk arbeitete. Mehrere Angebote, mit seiner Familie nach London oder New York/USA zu übersiedeln, lehnte er ab. Am 1.12.1937 wurde im Favoritner Colosseum in Wien seine Revueoperette Die Liebe geht um (T: Hans Borutzky und A. Steinberg-Frank) uraufgeführt. 1943 wurde D. zwangsweise in eine kleinere Wohnung umgesiedelt, überstand – im Gegensatz zu seinem Sohn – den Krieg aber unbehelligt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er zutiefst deprimiert über den sinnlosen Tod seines Sohnes, ohne wieder einer Tätigkeit nachzugehen. D. war die erfolgreiche „Wiener Ausgabe“ von Paul Whiteman oder Jack Hylton, das Repertoire seines Orchesters, das sich aufgrund zahlreicher Plattenaufnahmen auch internationaler Beliebtheit erfreute, umfasste nicht nur Werke der sog. „leichten Muse“, sondern auch solche von W. A. Mozart, R. Wagner, Fr. Schubert, A. Dvořák, F. Smetana oder J. Strauß Sohn.
Ehrungen
Kammervirtuose des Fürsten zur Lippe, Detmold/D 1918; Medaille „Merituol Comercial si Industrial“, 1. Klasse des rumänischen Ministeriums f. Industrie u. Handel 1935.
Werke
Operetten (Wenn es Frühling wird, Bojarenliebe, Die schwarze Madonna, Die Liebe geht um), Bearbeitungen von Opernausschnitten F. Smetanas f. Orch., Potpourris, Schlager (Heute fliegt der Luxuszeppelin, Ich hab dich doch so lieb, Leila, Am Sabbath Abend, Abend in Grinzing beim heurigen Wein).
Literatur
Lang 1986; F-A 1 (1936); Bauer 1955; Nachlass Musiksammlung der ÖNB.


Seine Schwester Klara: * 1883 oder 1885 Wiznitz bei Czernowitz, † ?. Geigerin, Kontrabassistin. Im Alter von 16 Jahren Leiterin einer Salonkapelle in Czernowitz. Wurde als Geigerin ausgebildet, als Kontrabassistin war sie Autodidaktin. Um 1903 erste Bassistin der Bukarester Oper. 1908 Rückkehr nach Czernowitz, wo sie heiratete.

Sein Sohn Robert: * 27.8.1922 Wien, † 24.3.1945 KZ Dachau/D. Cellist, Pianist, Arrangeur. Sein Taufpate war R. Stolz. Cello-Ausbildung bei E. Feuermann. Spielte in Prag in einem Thater, einem Kammerquartett und im Kaffeehaus. Im September 1942 wurde er aus der Prager Wohnung seiner Eltern nach Theresienstadt (Terezín/CZ) deportiert. Hier war er u. a. in der sog. „Freizeitgestaltung“ beschäftigt, spielte in einem Salonorchester im sog. „Kaffeehaus“, einer Art Aufenthaltsraum, und in der Stadtkapelle. U. a. wirkte er an Aufführungen der Oper Brundibár von Hans Krása mit. Darüber hinaus war er ab Sommer 1944 Cellist der letzten Besetzung des Ledeč Quartetts (neben Egon Ledeč, Viktor Kohn und Adolf Kraus), dessen erstes Konzert am 12.8.1944 stattfand. Laut dem Mitmusiker Thomas Mandl war D. „ein absolut sauber und superklassisch spielender Cellist“, für V. Ullmann war die neue Quartettbesetzung „unbedingt ein Gewinn für unsere Kammermusik“. Seine einzige erhaltene Komposition, eine Serenata für Violine und Klavier, dürfte noch in Prag entstanden sein, ob eine angekündigte Aufführung in Auschwitz (Oświęcim/PL) tatsächlich stattgefunden hatte, ist (2007) nicht bekannt. Am 28.9.1944 wurde D. mit zahlreichen seiner Musikerkollegen nach Auschwitz deportiert, am 10.10.1944 nach Dachau überstellt.


Werke
Serenata f. V. u. Kl.
Literatur
St. Engl in B. Fetz et al., Nacht über Österreich 2013; I. Schultz (Hg.), Viktor Ullmann. 26 Kritiken über musikalische Veranstaltungen in Theresienstadt, 1993; C. Fastner, Musik in Theresienstadt, Dipl.arb. Wien 2003; Mitt. KZ-Gedenkstätte Dachau u. Terezín Initiative Institute; eigene Recherchen (Nachlass Dol D.).


Sein Neffe Max: * 1910 (Ort?), † nach 1986 Tel Aviv/IL?. Geiger. Arbeitete im Orchester seines Onkels als Geiger und Administrator. Mitte der 1920er Jahre bis Mitte der 1930er Jahre lebte er auch in dessen Haus, wo er u. a. die Bekanntschaft mit R. Stolz, F. Lehár und E. Kálmán, den Freunden seines Onkels, machte. Später emigrierte er nach Tel Aviv. Übergab im September 1986 den Nachlass seines Onkels an die Musiksammlung der ÖNB.


Literatur
eigene Recherchen (Nachlass Dol D.).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Dauber, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 24.7.2019]
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN

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Dauber, Dol
Weiterführende Literatur (OBV)
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Dauber, Klara
Weiterführende Literatur (OBV)
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Dauber, Robert
Weiterführende Literatur (OBV)

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