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Leeuwen, Leeuwen, true Ary van (eig. Arij Jan Jacob Elmert Willem Theodor)
* 1875-05-2525.5.1875 Arnheim/NL, † 1953-11-066.11.1953 Los Angeles, CA/USA. Flötist, Komponist, Dirigent. Sein Vater Ary v. L war Kapellmeister des Städtischen Orchesters in Utrecht/NL. Mit fünf Jahren erhielt v. L. ersten Musikunterricht und lernte an der Musikschule in Leiden/NL Klavier, Orgel, Harmonielehre und Kontrapunkt. Mit zehn Jahren wechselte er zur Flöte und wurde zunächst von Albert Fransella unterrichtet, später von Jacques de Jong und Joachim Andersen. Bereits 1889 spielte er beim Volkspalast-Orchester Amsterdam und stieg schnell zum 1. Flötisten auf. 1890 wurde er dann Flötist im Städtischen Orchester Utrecht. J. Andersen überzeugte v. L. nach Berlin zu ziehen, wo er seine Ausbildung fortsetzte. Ab 1893 konzertierte er einige Jahre freischaffend und spielte u. a. in Russland, Finnland, China, Deutschland, Frankreich, Belgien, Polen und Österreich. 1897 wurde v. L. Soloflötist der Berliner Philharmoniker unter A. Nikisch (bis 1901), ging dann zum Philadelphia Symphony Orchestra (1901/02) und nach Warschau (1902/03), wo er auch als 2. Dirigent wirkte. Hier hörte G. Mahler ihn in mehreren Konzerten und engagierte ihn 1903 an die Wiener Hofoper als Soloflötist. Erst 1913 wurde er unter F. Weingartner Mitglied der Wiener Philharmoniker (bis dahin nur Gastspiele), da vorige Anträge aufgrund angeblicher Allüren abgelehnt wurden. Mahler schätze v. L. sehr, hegte allerdings um 1904 Pläne, ihn sowie W. Willeke zu Willem Mengelberg ans Concertgebouw-Orchester nach Amsterdam ziehen zu lassen, wozu es jedoch nicht kam. V. L. trat häufig solistisch oder in Kammermusikensembles auf und führte hierbei auch oft seine eigenen Kompositionen und Bearbeitungen auf. Außerdem spielte er Wiener EA.en u. a. von Max Reger (Serenade op. 77a in D-Dur sowie op. 141a in G-Dur) oder George Enescu (Cantabile et Presto) sowie UA.en von H. Gál (Quintett für Flöte, Violine, 2 Bratschen und Cello) und R. Stöhr (Suite op. 52). Gemeinsam mit der Bläservereinigung der Hofoper (Gründer) und dem Rosé-Quartett spielte er außerdem 1907 in der UA von A. Schönbergs Kammersymphonie op. 9. Er war der erste Flötist eines österreichischen Orchesters, der eine Silberflöte verwendete, außerdem spielte er 1914 das erste Mal das Albisiphon, eine Bassflöte. 1910 trat v. L. vor dem Sultan in Konstantinopel (Istanbul/TR) auf und ging 1913 auf Tournee durch Italien. Daneben versuchte sich v. L. auch als Sänger und verfolgte Pläne, an der Hofoper als Siegfried zu debütieren (nicht realisiert). Danach konzentrierte er sich stärker aufs Dirigieren und Komponieren: 1913 leitete v. L. das Orchester bei der Kino-Aufführung des Films Die Herrin des Nils im Beethovensaal (Wien I). 1916 wurde sein Singspiel Die Brunnennymphe uraufgeführt, das einigen Erfolg hatte, weitere Operetten und Ballette folgten. 1920 dirigierte er in Genf/CH die Spieloper Micarême von J. Brandts Buys, außerdem leitete er im Rahmen der Wiener Theatermesse 1921 die Aufführung von drei selbst eingerichteten Kammeropern am Akademietheater (Schauspielhäuser). 1910–14 unterrichtete v. L. Flöte am Neuen Wiener Konservatorium (Musiklehranstalten) sowie privat. Ab 1.3.1913 vertrat er den erkrankten Roman Kukula an der Wiener MAkad. und wurde 1914 zu dessen Nachfolger als Vor- und Ausbildungslehrer für Flöte ernannt. Zu seinen Schülern zählten u. a. E. Pirker, F. Schönfeld oder Matt Higgins Doran. V. L.s Zeit in Wien war durch diverse Schwierigkeiten geprägt: Er geriet wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt und musste sich einige Male vor Gericht verantworten. 1920 kündigte er seine Stelle an der MAkad. sowie bei den Wiener Philharmonikern und wurde Soloflötist sowie 2. Dirigent beim Symphonieorchester in Bukarest. 1922 wanderte er aufgrund der Eindrücke des 1. Weltkriegs in die USA aus (Staatsbürgerschaft 1928/29), wo er zunächst im Kino-Orchester des New Yorker Capitol-Theatre spielte. 1924 wurde er 1. Flötist beim Cincinnati Symphony Orchestra und unterrichtete am Cincinnati Conservatory of Music. 1938 ging v. L. nach Kalifornien, unterrichtete hier zehn Jahre an der Univ. of Southern California und arbeitete daneben in den Filmstudios in Hollywood/CA. Am 18.9.1902 heiratete er Mary Elisabeth Bouman (* ?.9.1883 Batavia/Niederländisch-Indien [Jakarta], † ?) in Den Haag/NL, von der er sich um 1915 trennte (Scheidung 1917). Sie hatten den Sohn Geza Ary Wilhelm v. L. (* 30.10.1905 Wien, † 23.11.1944 Neunkirchen/NÖ), der an einer psychischen Krankheit litt und 1927 entmündigt wurde. Am 8.12.1918 heiratete er in Wien die Schauspielerin Helma Müller (eig. Wilhelmine Frieda Martha Antonia; * 11.2.1895 Kiel/D, † ?), die u. a. in Prag, Berlin und am Wiener Volkstheater auftrat (Trennung 1923). Später heiratete er vermutlich in den USA die Österreicherin Anna v. L. (?–?). V. L. wurde häufig als bedeutendster Flötist seiner Zeit bezeichnet.
Ehrungen
Jubiläums-Hofkreuz 1908; Ordre des Palmes Académiques; Prof.-Titel 1920; Widmungsträger von A. Willners Flötensonate op. 34, R. Stöhrs Flötensonate op. 61 und E. Kornauths Burleske op. 10.
Werke
Zahlreiche Kompositionen, hauptsächlich Kammermusik für Fl., auch Orchesterstücke und Bühnenwerke: Die Brunnennymphe (nach Ludwig Bruckner, 1916), Von Nacht zum Licht (Ballett, mit R. Benatzky, 1916), Das Grenzabenteuer (Operette, 1916), Die neue Mode (Operette, 1917); Schattentänze (mit R. Benatzky, 1917); Einrichtung der 3 Kammeropern Mozart auf der Reise nach Prag, Fridericus Rex und Ehrgeiz in der Küche (1921); außerdem Bearbeitungen für Fl. hauptsächlich für die Reihe Perlen alter Meister für den Zimmermann-Verlag Leipzig/D (1903–33) von Werken u. a. von J. S. Bach, C. Ph. E. Bach, F. Chopin, Ch. W. Gluck, G. F. Händel, W. A. Mozart, Fr. Schubert; Vervollständigung und Bearb. von L. van Beethovens Sonate für Fl. u. Kl. B-Dur WoO Anh. 4. (Nachlass an der Library of Congress Washington D.C./USA; http://infomotions.com, 7/2021).
Literatur
Ch. Merlin, Die Wr. Philharmoniker 2 (2017); E. Möller, Die Musiklehranstalten der Stadt Wien und ihre Vorläufer in der 1. Hälfte des 20. Jh.s, Diss. Wien 1994; F. Jansa, Dt. Tonkünstler u. Musiker in Wort u. Bild 21911; F. Arnone in The Flutist Quarterly (2000); H. Blaukopf (Hg.), Gustav Mahler Briefe 1982 (Brief v. 12.6.1904); Dt. Volksbl. 15.4.1906, 9, 23.4.1906, 5, 14.10.1910, 3, 11.11.1915, 9, 23.7.1920, 7; Neues Wr. Journal 10.11.1906, 8, 19.3.1908, 7, 23.5.1908, 4, 9.1.1916, 17, 23.5.1920, 4, 10.10.1923, 10, 1.7.1930, 12, 26.10.1933, 12; Neues Wr. Tagbl. 19.2.1907, 13, 7.4.1908, 13, 17.10.1909, 53, 6.3.1910, 11, 7.11.1914, 14, 12.9.1921, 2, 10.10.1923, 8, 12.10.1923, 10; NFP 26.2.1908, 36, 25.12.1914, 53, 13.1.1917, 14, 31.3.1925, 10; Musikalisch-literarischer Monatsbericht 1909, 285, 1910, 4; Illustrierte Kronen Ztg. 30.8.1910, 13, 4.3.1917, 10; Signale f. die musikalische Welt H. 51 (1913), 1936, H. 49 (1915), 684; Illustriertes Österr. Journal 15.10.1913, 6; Fremden-Bl. 25.1.1914, 22; Salzburger Volksbl. 31.3.1915, 8; Cur-Liste von Teplitz-Schönau 8.7.1915, 1; Grazer Tagbl. 14.9.1915, 6, 22.9.1922, 6, 13.10.1923, 8; Prager Tagbl. 17.2.1916, 10; Arbeiter-Ztg. 30.1.1916, 9; Badener Ztg. 7.6.1916, 2; Wr. Ztg. 17.1.1917, 7; Neues 8 Uhr Bl. 13.8.1919, 3; Die Neue Ztg. 11.8.1921, 3; Wr. Sonn- u. Montagsztg. 23.7.1923, 4f.; (Neuigkeits) Welt Bl. 11.10.1923, 5; Kleine Volks-Ztg. 18.1.1927, 6; Taufbuch der Lutherischen Stadtkirche (Wien I) 1905, RZ 277; Trauungsbuch der Lutherischen Stadtkirche 1918, RZ 356; https://de.wikipedia.org/ (7/2021); https://nl.wikipedia.org/ (7/2021); www.flutepage.de (7/2021); www.genealogieonline.nl (7/2021); https://oorlogsgravenstichting.nl (7/2021); eigene Recherchen (Jahresberichte der GdM; www.konzerthaus.at/datenbanksuche; www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Meike Wilfing-Albrecht
Empfohlene Zitierweise
Meike Wilfing-Albrecht, Art. „Leeuwen, Ary van (eig. Arij Jan Jacob Elmert Willem Theodor)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 8.10.2021]