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Friesach
F. ist die älteste Stadt Kärntens und liegt im Norden des Bezirkes St. Veit an der Glan. 860 schenkte Kg. Ludwig der Deutsche dem Salzburger Erzb. Adalwin den Hof „friesah“. In einer Urkunde vom 25.5.1215 wird F. erstmals als Stadt genannt. F. entwickelte sich, dank der günstigen Lage an der Handelsroute zwischen Wien und Venedig, zu einem wichtigen Handelszentrum und erlebte seine Blütezeit im 13. Jh. unter Erzb. Eberhard II. F. war überregionales kirchliches Zentrum und Nebenresidenz der Salzburger Erzbischöfe, keine Stadt Kärntens war in der Zeit so reich an Kirchen und Klöstern. 1224 fand in F. ein großes Turnier statt, an dem auch Ulrich v. Liechtenstein teilnahm und darüber in seinen Versen berichtete.

Das Schloss am Petersberg wurde 1077 von Erzb. Gebhard errichtet und zw. 1124/30 durch Erzb. Konrad I. weiter ausgebaut. Später residierten die Erzbischöfe im Fürstenhof, der auch hochadeligen Persönlichkeiten Quartier bot. Die Peterskirche ist eine der ältesten Kirchen Kärntens. Durch die Säkularisation 1803 gelangten alle salzburgischen Besitzrechte an der Herrschaft F. an Habsburg.

Der Deutsche Ritterorden ist seit 1203 nachweisbar, er betreute fortan das Spital, aus dem 1890 das Dominikanerinnenkloster (heute Seniorenheim Hemma Haus) wurde. Die Deutschordenskirche wurde vermutlich durch das Stift Admont, das um 1167 eine Niederlassung in F. hatte, begründet. Das Graduale-Sakramentar Wien, ÖNB Cod. 14.208 (Diözese Salzburg, ca. 1300) stammt wahrscheinlich aus den Beständen des Deutschen Ordens. Die heutige Orgel wurde 1978 von der Firma Walcker erbaut.

Die Stadtpfarrkirche St. Bartholomä wurde zw. 1144/67 erbaut, ihr heutiges Aussehen erhielt sie 1912. Über die kirchenmusikalische Praxis liegen keine gesicherten Nachrichten vor. Nach einem Brand von 1804 stand auch keine brauchbare Orgel zur Verfügung, der Männergesangverein stellte später ein Harmonium zur Verfügung. Ein Kirchenchor ist seit 1891 nachweisbar. 1906 wurde eine neue Orgel der Firma Rieger von Propst Johann Pleschutznig eingeweiht. 1956 wurden das Gebläse restauriert und 1960–80 mehrmals Reparaturarbeiten vorgenommen. Mit dem Plan eines Orgelneubaues wurde 1994 der Orgelbauverein zu „St. Bartholomäus“ gegründet. Im Jahr 2000 konnte die neu errichtete „St. Hemma Orgel“ der Orgelbaufirma Eisenbarth eingeweiht werden. Verdiente Organisten und Chorregenten gaben auch dem außerkirchlichen Leben der Stadt wichtige Impulse. So war Oswald Gatterer, bis 1900 Organist, Chorregent und Komponist, auch erster Kapellmeister der Stadtkapelle. Ihm folgte Josef Heidegger (* 21.1.1884 Klagenfurt, † 2.2.1961 Klagenfurt), später Musikdirektor in Brünn, Musikprofessor in Klagenfurt und Bundeschormeister des Kärntner Sängerbundes. 1912–52 wirkte Johann Hattenberger († 1973) als Chorregent und Organist. Er war ein angesehener Komponist, Chorregent und Musiklehrer. 1952–54 wirkte Anton Nagele als Organist. 1954 folgte ihm A. Galsterer nach. Er war bis 2000 ständiger Organist der Stadtpfarrkirche und der Dominikanerkirche sowie Chorleiter des Stadtpfarrchores St. Bartholomä, der 2002 aufgelöst wurde. Seit 2000 wirkt er als Chorleiter des Dominikanerchores (heutiger Name: Kirchenchor F.). Seit 2000 wechselt die Organistentätigkeit an der Stadtpfarrkirche zwischen Herbert Kainz, Veronika Gerdey, Raphael Grazer und A. Galsterer.

Die Dominikanerkirche ist die längste Kirche Kärntens. In der Blütezeit wirkten rund 100 Mönche und Brüder im Konvent. Auch in F. gab es eine Abschrift des Normalbuches mit der verbindlichen liturgischen und gesanglichen Observanz. Die Orgel wurde 1890 von A. Mauracher gebaut. Die Dominikanerkirche ist seit 2012 geschlossen, das Kloster wurde aufgelöst.

Der MGV F. wurde 1869 vom Notariatsbeamten Franz Seraphin Ritter v. Koschaker (1829–1871) gegründet. Seit der Gründung nehmen das Kärntnerlied und das Volkslied eine besondere Stellung im Programm des Chores ein. Während der Jahre 1916–19 und 1940–46 gab es keine Vereinstätigkeit. Der MGV hatte bis 1956 ein eigenes Hausorchester (Orchesterverein), das über 50 Jahre bestand und u. a. von J. Hattenberger geleitet wurde. Das F.er Quintett (1965–76) wurde vom damaligen Chorleiter E. Wasserfaller gegründet und konnte mit den Mitgliedern Gottfried Ogris, Sepp Zechner, Andreas Rinner, E. Wasserfaller und Rudolf Maier große Erfolge, auch in Nordamerika (1968), feiern. Chorleiter des MGV waren Franz Bichler (1869/70), die Herren Koller (1871/72) und Berger (1873), J. Balthasar Dragatin (1874–76), ein gewisser Koban (1877), Matthias Baumer (1878–80), J. Schmierer (1881/82), O. Gatterer (1883), J. Schmierer (1884–86), Hugo Ranner (1887), O. Gatterer (1888–1900), J. Heidegger (1901–05), Alexander Rainer (1906), Gustav Reiter (1907/8), Hermann Meyer (1909–11), August Neubauer (1912–15), J. Hattenberger (1920–28), Ernst Zill (1929–32), J. Hattenberger (1933–35), Johann Oberdorfer (1936–39), Johann Feichtinger (1947/48), Hannes Seunig (1949–53), J. Feichtinger (1954), A. Galsterer (1955–58), E. Wasserfaller (1959–65), A. Galsterer (1966–72), Josef Zechner (1973–77), Franz Trebuch (1978/79), A. Galsterer (1980–85), Alfred Kienleitner (1986/87), B. Galsterer (1988–91), A. Galsterer (1992–2007), Silvia Janach (verh. Hammerschlag, seit 2007).

Der Burgenchor F. wurde am 19.5.1988 gegründet, Chorleiter ist B. Galsterer. Zu der Literatur des Chores gehören neben weltlichen und geistlichen Chorwerken auch Kärntnerlieder, internationale Volkslieder und Spirituals.

Die Olsaer Bergkapelle (auch Olsacher), die als Vorläufer der Stadtkapelle gilt, bestand 1872–79. Diese Kapelle wirkte auch in Konzerten des MGV F. mit und brachte so unter der Leitung des Chormeisters J. B. Dragatin Chorwerke mit Blasmusikbegleitung dar. Im Jahresbericht von 1894 des Männergesangvereins findet die F.er Stadtkapelle unter der Leitung O. Gatterers erstmals Erwähnung. Die ersten Jahrzehnte nach der offiziellen Gründung 1899 trat die Stadtkapelle als Feuerwehrmusik und als Bauerngmoankapelle in originaler Metnitztaler Tracht auf. Kapellmeister: Josef Heinzl (Gründungskapellmeister), Ferdinand König, Wilhelm Villa sen., J. Glantschnig, G. Schaffer, F. Wieser, E. Zill, Max Kohl, Engelbert Schaffer; nach dem Zweiten Weltkrieg: Eugen Schwan, Wilhelm Villa, Josef Schachner, Konrad Cusian, J. Feichtinger (1949–72), Gebhard Schober (1972–2000), Günther Pachler (seit 2000).

Die heutige MSch. wurde 1970 unter A. Galsterer gegründet. Er war 1970–93 Musikschuldirektor, ihm folgte Günther Pachler 1993–2012. 2012 wurden die Musikschulstandorte Althofen/K, F. und Metnitz/K zusammengefasst, der MSch. Althofen-Friesach-Metnitz steht seitdem Johann Burgstaller als Direktor vor. Die MSch. fand, wie die Stadtkapelle, 1984 ihren Platz in einem ehemaligen Armenhaus.

Schon im Mittelalter sind Laienspielgruppen in F. nachweisbar. Im 18. Jh. wurde die ehemalige Spitalskirche in ein Schauspielhaus mit Platz für 300 Zuschauer umgebaut. Nach etwa einem Jahrhundert fand das Schauspiel neue Unterkunft u. a. im Saal des Gasthofes Höfferer. Die F.er Burghofspiele, heute über die Grenzen Kärntens hinaus bekannt, wurden 1949 gegründet. Federführend waren der MGV F. und der Architekt Hannes Sandler. Seit 1951 hatte J. Hattenberger die musikalische Leitung der Spielgemeinschaft inne und komponierte auch Bühnenmusiken, seine Fanfare ist auch heute noch bei jeder Vorstellung zu hören. 1950–54 veranstaltete der MGV F. die Burghofspiele, seit 1955 fungiert der Verein F.er Burghofspiele als Veranstalter.

1993 wurde der Verein Mittelalterliches F. gegründet, der mittlerweile mehr als 250 Mitglieder umfasst. Das Spectaculum zu F., ein jährlich stattfindendes Mittelalterfest, wird von diesem Verein veranstaltet. Teil dieses Vereines sind die Fanfaren und Trommler, die 1994 von J. Burgstaller gegründet wurden und bis 2000 unter seiner Leitung standen. Seit 2003 leitet G. Schober diese Gruppe.

Die F.er Musikfreunde wurden 2006 von Herbert Pirolt gegründet und bestehen aus sieben Blechbläsern und einem Schlagzeuger. Alljährlich im Frühjahr findet unter dem Motto „G’sungan & G’spielt“ eine Veranstaltung statt, an der jeweils ein renommierter Chor Kärntens teilnimmt.

W. Mark und F. Rabl waren geborene F.er.


Literatur
MGV F. Fs. 140 Jahre. 1869–2009, [2009]; Stadtkapelle F. Fs. zum 100-jährigen Jubiläum [1999]; Die neue „St. Hemma-Orgel“ in der Stadtpfarre zu St. Bartholomäus in F. Fs. zur Orgelweihe 2000; R. Gratzer, F. 1986; H. Gressel, F. 2008; S. Kogler (Hg.), Konzertmusik und Heimatklang. Die Blasmusik in Kärnten 2004; A. Kreuzer, Kärntner. Biographische Skizzen. 11.–20. Jh. 2002; B. Maier in [Kat.] Schauplatz Mittelalter F. 2 (2001); H. Malloth, F. 1978; E. Reichmann-Endres, Deutschordenskirche F./Kärnten 21997; W. Wadl in Schauplatz Mittelalter F. 1 (2001); H. Zühlke in [Kgr.-Ber.] B. Haggh-Huglo/D. Lacoste (Hg.), Papers Read at the 15th Meeting of the IMS Study Group Cantus Planus, Dobogókő/Hungary, 2009 Aug. 23-29, 1 (2013); pers. Mitt. A. Galsterer; www.bayerische-landesbibliothek-online.de (10/2015); www.burgen-austria.com (10/2015); http://burgbau.at (10/2015); www.burgenchor-friesach.at (10/2015); www.burghofspiele.com (10/2015); www.friesach.at (10/2015); http://mittelalter-friesach.dotnethost.at (10/2015); www.friesacher-musikfreunde.com (10/2015); www.orgelland.at (10/2015); eigene Recherchen.

Autor(en)
Maria Streit
Empfohlene Zitierweise
Maria Streit, Art. „Friesach‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 04/04/2016]