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Lustenau
Marktgemeinde in Vorarlberg und Grenzgemeinde zur Schweiz; bis ins 19. Jh. agrarisch geprägt, 1902 Markterhebung, im 20. Jh. Zentrum der Vorarlberger Stickereiindustrie.

1478 wird in einer Stiftung der Ritter Marquard und Rudolf von Ems für ein Frühmessbenefizium in L. angeordnet, dass sich der Frühmesser auch um den liturgischen Gesang zu kümmern hatte. 1722 Ankauf einer Orgel aus Rankweil/V, Anstoß für ein nennenswertes Musikleben durch Pfarrer Franz Joseph Rosenlächer (1763–1835), der nicht nur erfolgreich den deutschen Gesang in der Kirche einführte, 1819 forderte er mehrere „hiesige Jünglinge auf, bei einem dafür angetragenen Musikmeister den kommenden Winter über Musik zu erlernen“, zwei Jahre später präsentierte sich die Musikkapelle öffentlich am Fronleichnamsfest (spätere Bezeichnung: Harmonie L.). Politische Differenzen führten 1886 zur Gründung einer weiteren Blaskapelle, des christlichsozial geprägten Musikvereins Cäcilia L. (1938 aufgelöst, Nationalsozialismus). 1947 trafen sich Musikanten beider Vereine im neu gegründeten Musikverein Lustenau. Ein dritter Musikverein, die Concordia L. entstand 1898 im Ortsteil Rheindorf. Alois Möschl (1886–1952) aus Böhmen initiierte 1910 eine Bauernkapelle und 1926 das Salonorchester L. (seit 1929 Orchesterverein), erfolgreiche Operettenaufführungen in den 1930er Jahren.

Lehrer, Organisten und Chorleiter prägten maßgeblich das Musikleben: Bartholomäus Riedmann (1793–1856), dessen Sohn Joseph Riedmann (1820–1908), Hilar Hämmerle (1839–1928), O. Vonbank, Franz Mayr (1888–1962), P. Hofer-Vetter, Karl Mattheisl, T. Hämmerle. Bereits 1844 war es zur Gründung einer „Kirchenmusik“ gekommen, mit der Verpflichtung des Chorregenten zur musikalischen Ausbildung von vier Knaben und vier Mädchen. Seit 1946 bietet die Rheintalische MSch. Musikunterricht an. L. war und ist eine sangesfreudige Gemeinde: Liederkranz Konkordia (gegr. 1857, nach 1907 mit Frauenchor), Männergesangverein Liederhalle (1870 bis zum Zweiten Weltkrieg, ab 1919 mit Frauenchor), Kirchenchor St. Peter und Paul (gegr. 1878), Gesangverein Liederkranz (gegr. 1904, seit 1909 auch als gemischter Chor, 1938 aufgelöst), Gesangverein Eintracht Wiesenrain (1923 gegr., 1939 aufgelöst, 1956 wieder aktiviert), Kirchenchor der Erlöserkirche Rheindorf (gegr. 1937), Männergesangverein L. (gegr. 1946), Cäcilienkinderchor (1946–88), L.er Dorfschwalben (gegr. 1951 unter der Leitung von M. Bösch-Fussenegger), Chor der Trachtengruppe L. (gegr. 1957), Collegium Vocale (gegr. 1988), Gospelchor SingRing (gegr. 1999). Gegenwärtig (2011) gibt es eine lebendige Musikszene (seit 1975 Jazz-Club L., Bigbands, Jugendkultur u. a.); international tätig ist die Musikerfamilie Hagen (Hagen-Quartett). Komponisten des 20. Jahrhunderts aus L.: E. Hollenstein, R. Hofer, E. David


Literatur
Lit.: E. Schneider, Musik und Theater in L. 1989; H. Mathis in Feierabend. Wochenbeilage zum Vorarlberger Tagbl. 15 (1933), 282–287; [Fs.] 40 Jahre Männergesangverein L. 1996; H. Nadler, Orgelbau in Vorarlberg u. Liechtenstein 3 (1985); Quellen im Gemeindearchiv Lustenau u. im Vorarlberger Landesarchiv Bregenz.

Autor(en)
Annemarie Bösch-Niederer
Empfohlene Zitierweise
Annemarie Bösch-Niederer, Art. „Lustenau‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 18/11/2011]