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AuberAuberJacques (eig. Ober), Familie
Jacques (eig. Jakub Dawid; Jakob David, Jacob): * 1851-05-088.5.1851 (1857?) Tarnow/Galizien (Tarnów/PL), † 1925-09-1111.9.1925 Wien. Geiger, Komponist, Musikpädagoge. Sein Vater, der Geiger Leon (eig. Leib) Ober (* ca. 1830 [Ort?], † 1888 Tarnow), gründete Mitte des 19. Jahrhunderts das Salonorchester Orkiestra Braci Auber w Tarnowie (Auflösung 1939), in dem A. bereits als Jugendlicher mit seinen Brüdern Arnold, Salomon und Maurice auftrat. A. studierte am Konservatorium der GdM Violine bei J. Hellmesberger und Klavier als Nebenfach (1873–75). Er unterbrach sein Studium im Oktober 1875 vermutlich aufgrund eines Engagements und holte seinen Abschluss im Semester 1880/81 nach. In dieser Zeit unterrichtete er bereits privat (u. a. den jungen F. Kreisler). A. war bis 1881 Geiger (vermutlich zeitweise Konzertmeister) an der Komischen Oper (Ringtheater) und war beim Brand des Theaters am 8.12.1881 vor Ort. 1894 eröffnete er eine private MSch. in der Porzellangasse 22 (Wien IX), die bis 1925 existierte und in der vermutlich auch sein Bruder Salomon, seine Frau Adele sowie seine Schwägerin Marie unterrichteten.
Werke
Ca. 180 Werke, hauptsächlich kleine Klavierstücke, veröffentlicht u. a. bei den Wiener Verlagen Kratochwill, Buch- und Kunstdruckerei Steyrermühl, Bergmann sowie in C. M. Ziehrers Deutscher Musik-Zeitung.
Literatur
Morgen-Post 13.12.1881, [3]; Neues Wr. Tagbl. 2.12.1894, 6; Teplitz-Schönauer Anzeiger 23.11.1901, 7; Trauungsbuch 1895–99 der IKG Leopoldstadt (Wien II), Nr. 325; www.ikg-wien.at/friedhofsdatenbank/ (10/2020); https://sztetl.org.pl/en/biographies/2098-auber-leon (10/2020); https://sztetl.org.pl/pl/slownik/orkiestra-braci-auber-w-tarnowie (10/2020); eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; Lehmannʾs Adresskalender; www.anno.onb.ac.at; www.wienbibliothek.at).


Jacquesʼ Frau

Adele (geb. Brandt): * 28.11.1872 Wien, † nach 1938 Edinburgh?/GB. Pianistin, Musikpädagogin. Sie erhielt ihren ersten Klavierunterricht bei Julius Hirschler und trat bereits als 12-jährige in Wien auf. 1887–90 studierte A. bei W. Schenner Klavier am Konservatorium der GdM (Abschluss 1890). Am 21.6.1896 heiratete sie Jacques A. in Wien und unterrichtete danach Klavier, vermutlich in der privaten MSch. ihres Mannes. Sie trat gelegentlich auch mit ihrem Mann und anderen Mitgliedern der Familie auf. Ihr Sohn Ludwig (später Lewis, * 24.6.1899 Wien, † 16.9.1974 Edinburgh) war Ornithologe und emigrierte 1938 nach Schottland (Exil); seine Mutter lebte später bei ihm. Beide waren zeitweise auf der Isle of Man/GB interniert.


Ehrungen
Preis der Jury zum Abschluss des Studiums 1890.
Literatur
H. Gál/E. Fox-Gál, Musik hinter Stacheldraht: Tagebuchbll. aus dem Sommer 1940, 2003; Dt. Musik-Ztg. H. 13 (1884), 189; NFP 28.6.1890, 6, 24.5.1896, 38; (Neuigkeits) Welt Bl. 12.7.1890, [7]; Arbeiter-Ztg. 1.4.1892, 5; Die Neuzeit 18.10.1901, 423; Geburtsbuch 1899 der IKG Wien, RZ 1649; Trauungsbuch 1895–99 der IKG Leopoldstadt (Wien II), RZ 325; www.rse.org.uk (10/2020); eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; www.familysearch.org; www.anno.onb.ac.at).


Jacquesʼ Brüder

Arnold: * vor 1862 Tarnow? Geiger, Flötist, Klarinettist. A. leitete das Salonorchester nach dem Tod seines Vaters 1888.

Maurice (eig. Maurycy): * 1862 Tarnow, † 1939 Tarnow. Geiger, Dirigent, Komponist, Musikpädagoge. Er lernte zunächst Geige bei seinem Bruder Jacques und studierte danach vermutlich in Wien Geige, Komposition und Dirigieren. In dem von seinem Vater gegründeten Salonorchester spielte A. Geige und leitete das Ensemble von 1890 bis zu seinem Tod 1939. Daneben leitete er eine MSch. in Tarnow.


Werke
Einige Klavierkompositionen, u. a.: Equitations-Marsch (o. J.); Träumerei op. 25 (o. J.); Marzenia op. 26 (Sirius 1928).
Literatur
https://sztetl.org.pl (10/2020); http://zsmuz.tarnow.pl (10/2020); eigene Recherchen (www.wienbibliothek.at).


Salomon: * 28.9.1863 Tarnow, † 18.12.1934 Wien. Cellist, Musikpädagoge, Dirigent. Er trat bereits als Jugendlicher mit seinen Brüdern im Salonorchester seines Vaters auf und spielte hierbei mehrere Instrumente, neben Cello auch Bratsche, Violine, Klavier sowie verschiedene Blasinstrumente. A. studierte ab 1890 zunächst vermutlich privat Violoncello bei R. Hummer, im Semester 1893/94 machte er seinen Abschluss am Konservatorium der GdM und übersiedelte 1894 ganz nach Wien. Anschließend unterrichtete er vermutlich privat und in der MSch. seines Bruders Jacques Cello und Geige; zu seinen Schülern zählten u. a. H. Kreisler und Rozsika Revay. Er widmete sich vornehmlich der Kammermusik, gab in Wien zahlreiche Konzerte (Bösendorfer-Saal, Ehrbar-Saal) und trat hierbei meist unter dem Namen „S. Auber“ auf (offizielle Namensänderung von „Ober“ in „Auber“ erst am 15.8.1909, bis dahin Künstlername). A. gab auch Konzerte im Wiener Volksbildungsverein bzw. Volksheim Ottakring (Wien XVI; 1902–26). Als Solist spielte er die Wiener EA.en der Cellokonzerte von A. Dvořák und E. d’Albert, darüber hinaus UA.en von verschiedenen Kammermusikwerken, darunter das Klavierquartett D-Dur op. 15 sowie das Trio C-Dur op. 16 von P. Stojanović (1913) oder die Triophantasie von J. Marx (1913). In Wien pflegte er zahlreiche Bekanntschaften u. a. mit J. Brahms, A. Schönberg oder Arthur und Julius Schnitzler. A. war außerdem mit der Familie von Max Egon II. zu Fürstenberg befreundet, unterrichtete die Tochter Anna zu Fürstenberg und trat ab 1910 in Donaueschingen/D auf. A. trat zeitweise auch als Dirigent in Erscheinung und leitete z. B. 1921 mehrere Konzerte im Musikverein (Solistin: R. Revay), u. a. auch mit den Wiener Philharmonikern (Solist: Heinrich Schwarz). Er spielte des Öfteren mit seinem Sohn Stefan und wurde vornehmlich von seiner Frau Marie am Klavier begleitet. 1928–34 bildete er mit ihr und R. Revay das A.-Trio (s. Abb.), das auch europaweit zahlreiche Konzertreisen (u. a. Frankreich, Deutschland, Schweiz) unternahm und häufig im Radio zu hören war.


Literatur
Lex. d. Juden 1940; Pester Lloyd 10.11.1897, 6; Neues Wr. Tagbl. 1.4.1900, 9, 21.1.1910, 7, 30.1.1913, 18; Die Neuzeit 18.10.1901, 423; Znaimer Wochenbl. 28.11.1903, 6; NFP 8.10.1913, 10, 25.9.1921, 14, 9.10.1921, 14; Neues Wr. Journal 9.2.1921, 8, 10.3.1921, 8; Der Tag 27.10.1928, 8, 24.9.1933, 9; Die Stunde 28.9.1933, 6, 21.12.1934, 4; S. Fetthauer in Lex. verfolgter Musiker u. Musikerinnen der NS-Zeit 2007 (www.lexm.uni-hamburg.de; 10/2020); Arthur Schnitzler Tagebuch 1.6.1912, 12.6.1912, 27.2.1915, 4.2.1917, 9.3.1919 (https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at; 10/2020); Taufbuch 1902–04 der Pfarre Rossau (Wien IX), fol. 107; https://sztetl.org.pl/pl/biogramy/2097-auber-salomon (10/2020); www.wienerphilharmoniker.at/ (10/2020); http://archiv.vhs.at/vhsarchiv_suche.html (10/2020); eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; www.anno.onb.ac.at).


Salomons Frau

Marie (Maria) Johanna (geb. Drda-Lorenowicz): * 3.1.1866 Wien, † nach 1934 (Ort?). Pianistin, Musikpädagogin. Sie war Privatschülerin von Th. Leschetitzky in Wien und unterrichtete danach vermutlich an der MSch. ihres Schwagers Jacques. Sie spielte hauptsächlich Kammermusik und trat mit ihrem Mann v. a. im A.-Trio, auf, wo sie jedoch 1931 von N. Geiringer vertreten wurde. Am 7.4.1896 heiratete sie Salomon in Wien; Kinder: Johanna Maria Cäzilia Sara (* 21.11.1893 Wien); Helene (Helena, * 21.5.1896 Wien); Leon (* 13.8.1897 Wien, † 1.10.1926 New York/USA; emigrierte 1923 über Hamburg/D nach New York und wirkte hier als Geiger) sowie Stefan Samuel.


Literatur
Das Vaterland 4.11.1904, 6; Wr. Ztg. 22.11.1905, 8; Der Abend 23.5.1931, 6; Radio Wien 3.6.1932, 38; Die Stunde 28.9.1933, 6; Taufbuch 1891–93 der Pfarre Rossau (Wien IX), fol. 284; Taufbuch 1902–04 der Pfarre Rossau (Wien IX), fol. 107, fol. 263; Geburtsbuch 1897 der IKG Wien, RZ 180; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; www.ancestry.com).


Deren Sohn

Stefan (Stephan) Samuel: * 11.3.1903 Wien, † ?.11.1986 New York. Cellist, Musikpädagoge. Ab dem sechsten Lebensjahr lernte er Klavier bei seiner Mutter sowie Cello bei seinem Vater. Danach studierte er Cello bei Julius Klengel in Leipzig/D und bei Diran Alexanian in Paris sowie 1921–23 Kunstgeschichte und Musikwissenschaft an der Univ. Wien bei u. a. G. Adler, W. Fischer, A. Orel und R. Lach. A. debütierte bereits im Alter von acht Jahren als Solist, danach folgten zahlreiche Auftritte (meist Kammermusik) v. a. im Wiener Konzerthaus u. a. mit C. Dische, V. Polatschek, E. Steuermann und Michael Bohnen; häufiger Klavierbegleiter war auch O. Schulhof bis zu dessen Auftrittsverbot 1938. 1922 wurde A. als erster Cellist bei den Dresdner Philharmonikern engagiert; er unterrichtete am Dresdner Konservatorium und ging in der Folge auf Konzerttourneen. 1926 war er Solocellist beim Königsberger Rundfunk und spielte mit dem Berliner Rundfunkorchester sowie mt dem Dahmen-Quartett (ca. 1928/29), daneben wirkte er als Assistent von E. Feuermann an der Berliner MHsch. A. spielte in Königsberg (Kaliningrad/RUS) die UA.en von Tibor Harsanyis Aria, Cadence, Rondo (30.11.1930, unter Hermann Scherchen) sowie in Baden-Baden/D das Cello-Konzert von Manlio di Veroli (4.12.1930, unter Ernesto Mehlich). Aufgrund seiner jüdischen Abstammung (am 24.6.1904 wurde er katholisch getauft) schränkten sich seine Auftrittsmöglichkeiten ab 1933 stark ein; im Juni 1933 wurde er beim Berliner Rundfunkorchester entlassen. A. wurde zunächst Mitglied der Reichsmusikkammer, wurde jedoch 1935 ausgeschlossen. In der Folgezeit konnte er nur noch im Rahmen des Jüdischen Kulturbundes auftreten. Aus dieser Zeit stammt eine Schallplattenaufnahme von L. v. Beethovens Tripelkonzert op. 56 mit den Wiener Philharmonikern unter F. Weingartner. 1939 ging A. ins US-amerikanische Exil, wo er bis zur Auflösung 1941 Mitglied des Kolisch-Quartetts wurde. 1941–48 war er 1. Solocellist beim Pittsburgh Symphony Orchestra, 1952 beim New York WOR Radio Orchestra, ab 1955 beim Orchestra of the Air sowie Gast in Tom Shermans Little Orchestra, mit dem er 1959 auf Welttournee ging, sowie 1963 Solocellist der Brooklyn Philharmonia. Daneben spielte A. in New York im Josefa Rosanska Klaviertrio, Jascha Veissi Streichtrio sowie mit Erich Itor Kahn und Ernst Victor Wolff. 1940 wirkte er an der ersten Einspielung von A. Schönbergs Pierrot lunaire auf Schallplatte mit (gemeinsam mit E. Wagner, E. Steuermann, R. Kolisch, Kalman Bloch und Leonard Posella, unter der Leitung von A. Schönberg). 1946 heiratete er Suzanne J. Lehmann (verw. Guggenheim); ein Großteil seines Nachlasses befindet sich in der New York Public Library.


Werke
(Hg.): Pablo de Sarasate: Spanische Tänze (Danses espagnoles, Spanish dances, Bailes españoles) für V. u. Kl. op. 23 (Simrock, 1930); Plattenaufnahmen: L. v. Beethoven: Konzert für V., Vc., Kl. u. Orch., „Tripelkonzert“, op. 56, C-Dur (mit R. Odnoposoff, Angelica Morales v. Sauer, Wr. Philharmoniker unter F. Weingartner), ca. 1937–39 (Neuauflage: Naxos historical, 2004); W. A. Mozart: Streichquartett Nr. 19, C-Dur, KV 465 (mit R. Kolisch, Felix Khuner und Jascha Veissi, s. Abb.), Columbia (o. J.); A. Schönberg: Pierrot lunaire op. 21, Los Angeles/USA, 24.9.1940, Columbia 1940?.
Literatur
S. Fetthauer in Lex. verfolgter Musiker u. Musikerinnen der NS-Zeit 2007 (www.lexm.uni-hamburg.de; 10/2020); NFP 27.9.1921, 8; Signale für die musikalische Welt H. 13 (1928), 402, H. 49 (1930), 1455; Der Tag 6.4.1935, 8; Brief A. Schönberg an J. Polnauer 28.12.1940 (http://archive.schoenberg.at; 11/2020); Geburtsbuch Jänner bis Juni 1903 der IKG, RZ 80; Taufbuch 1902–04 Pfarre Rossau (Wien IX), fol. 264; www.demos.ac.at (10/2020); http://archives.nypl.org (10/2020); www.wnyc.org (10/2020); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Meike Wilfing-Albrecht
Empfohlene Zitierweise
Meike Wilfing-Albrecht, Art. „Auber (eig. Ober), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 28/04/2021]