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Treumann, Treumann, Gustav: Familie
Gustav: * --vor 1813 Hamburg?/D, † --nach 1865 (Ort?). Schauspieler. Sohn des Theaterbilleteurs und Schneiders Friedrich Gustav T. (ca. 1790–1839 [1841?, 1843?]). Begann seine Karriere in Hamburg und war 1830–32 in Mannheim/D engagiert. Er kam 1833 (als Wilhelm) gemeinsam mit seinem Bruder F. über Wien nach Laibach, wo er noch 1834 auftrat. 1834 spielten die Brüder auch in Triest. 1835 waren sie in Klagenfurt engagiert, 1836/37 bereits in Pest, ab 1838 in Hermannstadt (Sibiu/RO). 1841/42 dürfte G. T. wieder in Pest gespielt haben, um 1842–45 neuerlich nach Hermannstadt und Temesvár (Timişoara/RO) zu gehen; danach wirkte er bis 1855 in Ofen bzw. Pest. 1855/56 in Ödenburg (verbunden mit Wiener Neustadt und Baden), 1856 in Laibach und kurzzeitig Regisseur in Klagenfurt. Aufgrund eines Schlaganfalls musste G. T. seine Bühnenkarriere beenden, blieb dem Theater jedoch 1857–65 als Bibliothekar des vereinigten Theaters von Pest-Ofen verbunden. Spätestens seit ca. 1837 war er mit P. Stoll verschwägert, seine Frau Regina (geb. Hoch) war als Schauspielerin an den gleichen Wirkungsorten wie er beschäftigt.

Seine Brüder

Johann Michael Franz: * 11.11.1813 Hamburg, † 4.3.1874 Kirchberg am Wagram/NÖ. Schauspieler und Theatersekretär. Kam 1833 gemeinsam mit seinem Bruder G. von Wien nach Laibach, in den ersten Jahren stand er an denselben Orten wie sein Bruder im Engagement (1834 Triest, 1835/36 Klagenfurt). Vermutlich ebenfalls ab 1836/37 in Pest, dürfte er ab 1838 zunächst in Hermannstadt gespielt haben, jedoch schon 1839 wieder nach Pest (T. der Jüngere, T. jun.) zurückgekehrt sein, wo er bis 1848 neben der Schauspielertätigkeit auch als Bibliotheksaufseher und Garderobeinspektor tätig war. 1848 wechselte er an dasTheater an der Wien und wirkte hier als Schauspieler und Sekretär von A. Pokorny. 1851 ging er ans Carltheater, wo er ebenfalls auch administrative Aufgaben (Kontrolleur, Archivar; 1854–60 Direktionssekretär unter J. N. Nestroy) wahrnahm. 1860–63 Schauspieler und Administrator am Treumanntheater, 1863–72 wirkte er in gleicher Eigenschaft am Carltheater unter seinem Bruder bzw. Anton Ascher. 1859 wurde er österreichischer Staatsbürger und heiratete die Ballettmeisterin Theresia (Therese) Oxinger (Ochsinger, eig. Ochs; * 19.11.1811 Wieden [Wien IV], † nach 1874 [Ort?]), die am Carl- und Treumanntheater wirkte. 1872 zog er sich ins Privatleben zurück.


Werke
Schwank Ueberall zu spät, oder: Beisele und Eisele auf der Brautfahrt nach Debrečín 1848 (M: Carl Merker).


Mathias Karl Ludwig: * 27.7.1821 [nicht 1823] Hamburg, † 18.4.1877 Weikersdorf/NÖ (heute Baden/NÖ). Schauspieler, Sänger, Theaterdirektor, Bühnenschriftsteller. Begann zunächst eine Buchdruckerlehre. 1841 gab er in Pest (Budapest) sein Debüt als Chorist und reiste danach mit einer Theatertruppe durch Ungarn und Siebenbürgen. 1847–52 gehörte er auf Empfehlung F. v. Suppès dem Theater an der Wien an. 1852 wechselte er ans Carltheater, wo er bis 1860 erfolgreich an der Seite J. N. Nestroys auftrat (v. a. in Possen). Während dieser Zeit zahlreiche Gastspiele, u. a. in Budapest, Prag, Brünn und Graz. 1860–63 leitete er das von ihm erbaute Treumanntheater, 1863–66 das Carltheater. Anschließend gab T. nur mehr Gastspiele (vorwiegend am Carltheater, aber auch am Theater an der Wien sowie in Budapest und Graz). Anfang 1876 übersiedelte er in eine Villa in Weikersdorf bei Baden. Sein Sohn Johann (Hans) Karl Georg (* 27.3.1855 Wien, 15.3.1877 Weikersdorf/NÖ [heute Baden/NÖ]), Taufkind von J. N. Nestroy, trat 1865/66 während seiner Studienzeit am Theresianum (Wien IV) gemeinsam mit P. Salvi als geschickter Pianist in Erscheinung.


Ehrungen
Wr. Bürgerrecht 1865; Ehrenmitglied des medizinischen Unterstützungsvereins.
Werke
Operetten- u. Singspiellibretti (v. a. Übersetzungen u. Bearbeitungen von frz. Stoffen, musikalische Bearb. häufig C. Binder): Das Mädchen vom Elisonzo 1858 (M: J. Offenbach), Die Hochzeit bei Laternenschein 1858 (M: J. Offenbach), Die Savoyarden 1859 (M: J. Offenbach), Die Tante schläft 1861 (M: Henri Caspers), Die Schwätzerin v. Saragossa 1862 (M: J. Offenbach), Pariser Leben 1867 (M: J. Offenbach), Der Dorfadvokat 1872 (M: Robert v. Hornstein), 25 Mädchen u. kein Mann 1873 (M: F. v. Suppè), Zwei Hochzeiten u. ein Bräutigam 1873 (M: K. F. Kohn), Die Reise um die Erde in 80 Tagen 1875 (M: F. v. Suppè), Graziella 1876 (M: Charles Lecocq), Prinz Methusalem 1877 (M: Joh. Strauß Sohn).


Im Sommer 1834 gastierte ein Schauspieler namens T. aus Hamburg auch am Theater in der Josefstadt. Es ist bislang unklar, ob es sich hierbei um einen Verwandten der Brüder handelte.

Gustavs Sohn

Alexander: * 1838 Pest, † 12.12.1905 Landshut/D. Schauspieler, Sänger (Tenor-Buffo), Regisseur. Trat spätestens ab 1851 in Pest und Ofen in Kinder- bzw. kleinen Aushilfsrollen auf. 1855–57 war er Schauspieler und Chorist in Ödenburg (verbunden mit Wiener Neustadt und Baden), 1857 in Triest und 1857/58 Inspizient (und Schauspieler) in Pressburg. 1858/59 in Olmütz, 1860 in Iglau und 1860/61 am Treumanntheater (auch Inspizient). Danach ist er 1863/64 an kleinen steirischen Theatern greifbar, zuletzt in Leoben. Weitere Engagements führten A. T. nach Znaim (1864/65), Cilli (Celje/SLO) und Pettau (Ptuj/SLO; 1865/66, auch Regisseur), Wiener Neustadt (1866/67), Klagenfurt (1867/68), Villach (1870/71, Direktor), Hermannstadt und Kronstadt (Braşov/RO; 1871–73, auch Regisseur), Bukarest und Warasdin (Varaždin/HR; 1873/74, auch Regisseur), Saaz (Žatec/CZ; 1874/75 und 1883/84 [artistischer Direktor]), Neusohl (Banská Bystrica/SK; 1875/76), Aussig an der Elbe (1876/77), Budapest (1877/78), Steyr (1878/79), Leitmeritz (1879/80, 1881/82), Komotau (Chomutov/CZ) und Aussig (1880/81 und 1882/83, auch Regisseur), Dresden/D (1881, Sommertheater), Prag (1882, Sommertheater), Landshut und Passau (1884–88 und 1889–91, auch Regisseur), Barmen/D (1888/89, auch Sekretär).

Gustavs Tochter

Marie: * vor 1850 [Ort?], † nach 1873 (Ort?). Schauspielerin. Trat erstmals 1863 im Rahmen einer Benefizvorstellung zugunsten ihres Vaters in Ofen auf, ein Jahr später erhielt sie ihr erstes Engagement in Pest. Weitere Verpflichtungen hatte sie in Budweis (1870/71), Pest (Theater im Stadtwäldchen ab 1871), Reichenberg (1872), Tetschen (Děčín/CZ, 1872) sowie Hohenelbe (Vrchlabí/CZ), Trautenau (Trutnov/CZ) und Ödenburg (1872/73).

Alexanders Frau

Leopoldine (geb. Waidinger): * 30.4.1834 St. Pölten, † 7.1.1914 Baden. Schauspielerin. Tochter des St. Pöltener Theaterpächters Karl Waidinger († vor 1864). Ist erstmals 1852/53 am Theater in Kaschau (Košice/SK) greifbar, ihre weitere Karriere führte sie zunächst nach Klagenfurt (1853/54), Olmütz (1854/55), Lemberg und Troppau (1856–58), Salzburg (1858–60), Baden und Ödenburg (1860–62) sowie anschließend an verschiedene Kleinbühnen in der Steiermark. Ihre 1864 in Leoben geschlossene Ehe mit A. T. verlief unglücklich und führte zu einer baldigen Trennung des Paars. Gemeinsam mit ihrem Mann war sie jedoch 1864/65 in Znaim und 1865/66 in Cilli engagiert. Danach spielte sie in Großbetschkerek (Zrenjanin/SRB; 1866/67), St. Pölten und Bad Vöslau/NÖ (1868/69), Marburg (1869/70), Budweis (1870/71), Leitmeritz (1871–73) und Troppau (1873–76). 1876 kam L. T. neuerlich nach Baden, wo sie als Ensemblemitglied jahrzehntelang große Erfolge feierte und ab dem Jahr 1911 von einer jährlichen Ehrengabe in der Höhe von 1.200 Kronen lebte. Sie war auch als dramatische Lehrerin tätig.


Literatur
Czeike 5 (1997); Kosch 4 (1998); K-R 1997; ADB 38 (1894); Wurzbach 47 (1883); Eisenberg 1903; A. Entsch (Hg.), Dt. Bühnen-Almanach 42 (1878), 132–135; E. Gettke (Hg.), Almanach der Genossenschaft Dt. Bühnen-Angehöriger 6 (1878), 124f; Dt. BühnenJb. 19 (1908), 122 u. 26 (1915), 168f; Bauer 1955; Stieger III/3 (1981); Ulrich 1997; Vereinigte Laibacher Ztg. 22.8.1833, 9; Allgemeine Theaterztg. u. Originalbl. 21.9.1833, 763, 20.2.1834, 148, 23.5.1834, 410, 26.8.1834, 681, 3.7.1837, 531, 2.4.1838, 291; Der Wanderer 26.8.1834, 4, 2.11.1843, 1044, 6.12.1843, 1160, 25.3.1845, 288, 10.6.1845, 552; Wr. Ztg. 1.9.1834, 808; Carinthia 28.11.1835, 198, 5.12.1835, 202; Klagenfurter Ztg. 21.2.1836, 200, 15.12.1853, 625; Der Humorist 9.4.1838, 60, 3.5.1839, 351, 13.5.1841, 388, 2.1.1843, 7, 6.3.1843, 192, 16.11.1843, 917, 16.4.1844, 368, 20.9.1844, 908, 25.10.1844, 1028, 7.12.1844, 1180, 2.4.1845, 316, 8.4.1845, 336, 10.11.1845, 1076, 2.11.1846, 1055, 17.8.1858, 3; Der Adler 17.12.1839, 1165, 17.2.1842, 163; Der Ungar 26.8.1842, 915, 13.12.1842, 1144, 5.5.1843, 436, 31.8.1843, 699, 15.10.1843, 1096, 7.11.1843, 1179, 14.8.1844, 747, 19.1.1848, 117, 1.3.1848, 399; Der Siebenbürger Bote 31.5.1844, 196, 25.6.1844, 236, 4.10.1844, 356, 2.5.1845, 140, 18.7.1845, 224, 12.9.1845, 288, 23.9.1845, 296, 30.9.1845, 208; Oesterr. Theater- u. Musik-Album 30.1.1848, 4; Oesterr. Illustrirte Ztg. 4.10.1852, 529f; Die Neue Zeit 19.9.1854, 4; Pesth-Ofner Localbl. 31.3.1855, 4; Fremden-Bl. 25.7.1856, 5, 19.1.1865, 5, 17.4.1866, 5; Grazer Tagespost 20.1.1857, 2, 27.2.1863, 12, 1.3.1863, 6, 17.6.1863, 4, 3.12.1863, 4; Salzburger Ztg. 23.2.1859, 3, 3.4.1860, 3; Der Zwischen-Akt 9.3.1860, 3, 23.5.1860, 2; Wr. Theater-Chronik 6.2.1862, 23, 12.2.1863, 26, 23.6.1864, 100, 8.12.1864, 196, 21.4.1871, 64; Waldheim’s Illustrirte Ztg. 19.9.1863, 1078 u. 1080; Grazer Abendpost 3.6.1864, 4; Znaimer Wochenbl. 2.10.1864, 346; Neue Berliner Musikztg. 25.4.1866, 135; Gr.-Becskereker Wochenbl. 17.11.1866, 488; Tetschen-Bodenbacher Anzeiger 30.3.1872, 130; Neues Wr. Bl. 5.3.1874, 2; Neue Illustrirte Ztg. 8.3.1874, 12; Wr. Theater-Chronik 13.3.1874, 43; Die Presse 29.4.1876, Abendbl., 3; Neuigkeits Welt-Bl. 29.7.1876, 11, 20.4.1877, 4; Neues Wr. Tagbl. 17.3.1877, 7, 19.4.1877, 1f, 7.1.1914, 10; Morgen-Post 20.4.1877, 3; NFP 5.12.1893, Abendbl., 4; Badener Ztg. 13.3.1907, 6; Prager Tagbl. 8.1.1914, 4; Taufbuch 1834–46 der Franziskanerpfarre St. Pölten, fol. 8; Trauungsbuch 1841–50 der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube (Wien VI), fol. 276; Trauungsbuch 1853–60 der Pfarre St. Josef (Wien II), fol. 222; Taufbuch 1852–55 der Pfarre St. Johann Nepomuk (Wien II), fol. 257; Trauungsbuch 1854–65 der Franziskanerpfarre St. Pölten, fol. 209; Trauungsbuch 1855–71 der Pfarre Leoben-Waasen, fol. 73; Sterbebuch 1872–81 der Pfarre Döbling (Wien XIX), fol. 94; Sterbebuch 1874–76 der Evangelische Pfarrgemeinde A. B. Wien I, 1874, RZ 131; Sterbebuch 1876–92 der Pfarre Baden-St. Helena, fol. 4 u. 5; Sterbebuch 1912–14 der Pfarre Baden-St. Stephan, fol. 173; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; Theater-Jahrbücher u. -Almanache).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Treumann, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 16.7.2021]

MEDIEN
Karl Treumann (Oesterreichische Illustrirte Ztg. 4.10.1852, [529]
Karl Treumann (Waldheim’s Illustrirte Ztg. 19.9.1863, 1080

GND
Treumann, Karl
Weiterführende Literatur (OBV)

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