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Wiener Tonkünstler-Pensions- und Unterstützungs-Verein „Carl Czerny“
Verein zur finanziellen Absicherung von Musikern in Wien. Anders als bei der Tonkünstler-Sozietät mit ihrer Unterstützung für Witwen und Waisen stand hier die Altersunterstützung der Mitglieder selbst im Zentrum, was im bis 1877 gültigen Vereinsnamen Verein zur Versorgung dürftiger Tonkünstler deutlich zum Ausdruck kam.

Am 28.4.1853 suchte I. Aßmayr um behördliche Genehmigung der Vereinsgründung an, die Statutengenehmigung erfolgte am 8.11.1853. Im Laufe der Jahre kam es zu mehreren, zum Teil sehr umfangreichen Statutenänderungen (1855, 1877, 1886, 1898, 1905, 1916, 1924, 1928, 1933, 1937). Dem Gründungskomitee gehörten an: I. Aßmayr, B. Randhartinger, Theobald Rizy, J. Hellmesberger, L. v. Sonnleithner, Santi Hueber, Fr. Egger, A. Petschacher, E. Pirkhert, G. Nagl, Josef Mozzatti. Die Vereinsgründung unterstützten weiters G. v. Preyer, H. Proch, W. Reuling, H. Esser, F. v. Suppè und J. Staudigl. Die erste Sitzung des provisorischen Komitees fand am 19.2.1854 statt, die erste Generalversammlung am 29.10.1854. Vom 3.4.1854 datiert ein erster, in Zeitungen veröffentlichter und durch Flugblätter verbreiteter Aufruf zum Vereinsbeitritt.

Wirkliche Mitglieder konnten in Wien ansässige „Tonkünstler“ werden, deren „Erwerb ganz oder größtentheils in der Ausübung der Tonkunst oder im Unterrichte in derselben bestand, oder besteht“ (Statuten 1853, § 2), sofern sie das 40. Lebensjahr (ab 1877: 50. Lebensjahr) noch nicht überschritten hatten und nachweisen konnten, dass sie gesund und erwerbsfähig sind (die Statuten sahen ab 1877 auch die Bestimmung eines Vereinsarztes vor). Sie hatten jährliche Beiträge in den Vereinsfonds zu leisten und waren berechtigt, eine Pension zu beziehen; frühestens ab dem 50. Lebensjahr und nach mindestens fünf- bzw. (Gründer) dreijähriger Mitgliedschaft (ab 1877: zehnjähriger Mitgliedschaft). Unterstützende Mitglieder – Nicht-Musiker – leisteten ebenfalls regelmäßig finanzielle Beiträge, hatten jedoch kein Pensionsanrecht. Vorstand war gemäß Statuten bis 1877 der jeweilige Hofkapellmeister, sofern er Vereinsmitglied war. Erst mit der Vereinsreorganisation von 1877 wurde das Amt des Vorstand-Stellvertreters geschaffen.

Das Mitgliederverzeichnis des Vereins liest sich wie ein Who is who des Wiener Musiklebens des 19. Jh.s, kaum ein bekannter Name fehlt. Unter den unterstützenden Mitgliedern finden sich mehrere Mitglieder des Kaiserhauses (Kaiserin Karoline Auguste, Erzhzg. Franz Karl, Erzhzg. Ludwig), aber auch Namen wie N. Dumba, F. Ehrbar und Th. v. Karajan. 1855 zählte der Verein 35 Gründer und 43 unterstützende Mitglieder. Die Mitgliederzahl nahm in der Folge stetig ab und erreichte 1873 mit 28 Mitgliedern (je 14 wirkliche und unterstützende) ihren Tiefstand. Während danach die Zahl der wirklichen Mitglieder wieder deutlich anstieg (1880: 30, 1890: 50, 1900: 43, 1910: 51, 1918: 60), verringerte sich jene der Unterstützer weiter bis auf einen ab dem Jahr 1900. 1886 erfolgte eine statutenmäßige Begrenzung der wirklichen Mitglieder, 1905 standen daher auf der Vormerkliste für eine Mitgliedschaft über 50 Personen. Ab Mitte der 1920er Jahre nahm die Zahl der wirklichen Mitglieder wieder stetig ab (1930: 40, 1935: 26, 1937: 24), jene der Unterstützer stieg dagegen nochmals deutlich an (1926: 10, 1929: 67, 1931: 35, 1935: 20, 1937: 21; darunter auch: Universal Edition, Wiener Philharmoniker, GdM, F. Lehár und R. Strauss). Die Mitgliedschaft wurde zunächst durch die Ausgabe einer Urkunde, später durch eine Mitgliedskarte bestätigt. 1859 wurden die ersten Pensionen ausgezahlt, 1927 bezogen 17 Mitglieder Vereinspensionen.

Das Vereinsvermögen wuchs im Laufe der Jahre beträchtlich: 1860 betrug es 24.171 fl, 1882 74.000 fl, 1886 91.650 fl, 1895 135.600 fl, 1900 308.903 K und 1905 366.254 K. Vom Erlös des Wiener Mozartfestes 1856 erhielt der Verein 200 fl, C. Czerny hinterließ ihm ein Viertel seines nach Abzug diverser Legate verbliebenen Vermögens. 1926 veranstaltete der Verein eine Erinnerungsfeier an Czerny, im Rahmen derer eine von dessen großen Messen in der Wiener Augustinerkirche unter Ch. Eder zur Aufführung gelangte. 1858 spendete F. Liszt infolge der erfolgreichen Wiener Erstaufführung der Graner Festmesse unter seiner eigenen Leitung am 22. und 23.3.1858 im Redoutensaal dem Verein 1000 fl. Die Aufführung hätte ursprünglich der Verein (auf Anregung C. Haslingers) federführend bewerkstelligen sollen, jedoch hatte dies nicht die Zustimmung sämtlicher Mitglieder gefunden, die zum Teil einen Misserfolg befürchteten. Die Aufführung wurde dann von einem Komitee organisiert, dem auch Vorstand Aßmayr angehörte. Aus dem Nachlass von J. Brahms erhielt der Verein durch einen Vergleich im Rahmen eines mehrjährigen Erbschaftsstreites – Brahms’ hinterlassene letztwillige Verfügungen waren nicht eindeutig gewesen – einen bedeutenden Anteil. Auch aus weiteren Erbschaften flossen dem Verein zum Teil beträchtliche finanzielle Mittel zu. Trotzdem ließ die Inflation der Zwischenkriegszeit das Vereinsvermögen zusammenschmelzen und der Verein hatte zunehmend mit Finanzproblemen zu kämpfen. Am 6.3.1939 brachte die Vereinsführung die Selbstauflösung des Vereins zur Anzeige, die nationalsozialistische Wiener Gemeindeverwaltung genehmigte am 7.7.1939 die Einbringung des vorhandenen Restvermögens in den Deutschen Ring. Oesterreichische Lebensversicherung AG.

Das Vereinslokal befand sich zunächst bis 1904 an verschiedenen Adressen im 1. Bezirk, 1904–14 dann im 5. Bezirk, anschließend im 18. Bezirk und zuletzt 1928–39 im 16. Bezirk.

Vorstände: I. Aßmayr (1854–64), B. Randhartinger (1864–77), G. v. Preyer (1877–81), 1881/82 unbesetzt, F. v. Suppè (1882–95), 1895/96 unbesetzt, Jos. Gänsbacher (1896–1904), W. Schenner (1904), Alois Markl (1904–28), 1928/29 unbesetzt, Ignaz Kallmus (1929), 1929/30 unbesetzt, A. Tyroler (1930–38), Karl Schreinzer (1938/39?).

Vorstand-Stellvertreter: F. v. Suppè (1877–82), Jos. Gänsbacher (1882–95), W. Schenner (1896–1904), A. Markl (1904), Franz Heinrich (1904–18), F. Mairecker (1918-30), Anton Weiss (1930–38), Leopold Neisser (1938/39?).

Sekretäre: J. F. Kloss (1854–76), J. Dachs (1876–96), Th. Kretschmann (1896–1919), J. V. v. Wöss (1919–24), Josef Christenheit (1924–38/39?).

Kassiere: G. v. Preyer (1854–77), A. A. Buchta (1877–80), Wenzel Prückel (1880/81), Géza Winter (1881/82), J. Dachs (1882–96), Wilhelm Rauch (1896–1914), 1914–16 unbesetzt, I. Kallmus (1916–19), A. Stiegler (1919–28), 1928/29 unbesetzt, Hugo Holik (1929–38/39?).

Ehrenpräsidenten: G. v. Preyer 1896, Jos. Gänsbacher 1904.


Literatur
Denkschrift aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens des Wr. Tonkünstler-Pensions- u. Unterstützungs-Vereines „Carl Czerny“. 1855–1905, 1905; H. Jäger-Sunstenau in ÖMZ 16 (1961); Wr. Ztg. 7.4.1854, 937, 8.4.1926, 5; Der Humorist 14.2.1858, 4, 24.3.1858, 3; Fremden-Bl. 26.2.1858, 5, 23.3.1858, 5; Illustrirte Ztg. 10.4.1858, 238; Bll. f. Musik, Theater u. Kunst 12.3.1858, 83, 30.3.1858, 103f, 23.4.1858, 132; [Grazer] Tagespost 21.3.1858, 3; Berliner Musikztg. 24.3.1858, 103; Die Presse 25.3.1858, 1f; Signale f. die musikalische Welt 16 (1858), 148ff; Lyra 1.5.1898, 5; WStLA (Bestand 2.9.1.3 Vereinsarchiv Verein „Carl Czerny“; Vereinsakt MA 119, A 32, 4906/22).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Wiener Tonkünstler-Pensions- und Unterstützungs-Verein „Carl Czerny“‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/04/2019]