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Rebner, Rebner, Adolf Familie
Adolf Franklin: * 1876-11-2121.11.1876 Wien, † 1967-06-1919.6.1967 Baden-Baden/D. Geiger. R. studierte 1886–92 Violine am Konservatorium der GdM, zunächst bei J. Maxincsak (Vorbildungsklasse, u. a. neben R. Hügel), ab 1889 bei J. M. Grün (Ausbildungsklasse, Abschluss mit Auszeichnung), außerdem u. a. die Nebenfächer Klavier bei Ernst Ludwig und Harmonielehre bei R. Fuchs. 1892 Mitwirkung an zahlreichen Konzerten der Wiener Musik- und Theaterausstellung, 1893 vorwiegend in den USA als Geiger tätig. 1894 weiterführendes Studium bei Martin Marsick und Théophile Laforge am Pariser Konservatorium. Im November 1895 präsentierte er sich im Rahmen eines Gesellschaftsabends der Wiener Musik- und Theatergesellschaft als Geigenvirtuose, Anfang 1896 gab er ein eigenes Konzert („Herr R. ist als fertiger Geiger aus Paris zurückgekehrt, dem nichts als der letzte Schliff zur Meisterschaft fehlt“, Neues Wr. Journal 23.1.1896, 2). 1898 übersiedelte R. nach Frankfurt am Main/D, wo er seit 1893 regelmäßig aufgetreten war. Seit 1898 Lehrtätigkeit am Hochschen Konservatorium, 1904–33 Prof. für Violine, außerdem ab 1902 Konzertmeister des Opern- und Museumsorchesters. Zunächst Mitglied des Museums-Quartetts und des Frankfurter Trios, später Gründer und Primgeiger des nach ihm benannten, auch international erfolgreichen R.-Quartetts, 1919–21 mit seinem Schüler Paul Hindemith an der 2. Geige bzw. an der Viola. 1933 Emigration (Exil) zunächst nach London, im Frühjahr 1935 kehrte er zurück nach Wien, wo er vereinzelt Konzerte gab und sich um Privatschüler bemühte. Im März 1939 emigrierte er in die USA (amerikanischer Staatsbürger 1944), wo er ab 1940 bei seinem Sohn Wolfgang Edward in Los Angeles lebte. Im August Rückkehr nach Europa, zunächst nach Kopenhagen zu seinem Sohn Ludwig. 1950 wieder in Österreich, lebte zuletzt ab 1953 in Baden-Baden. Seit 15.7.1904 verheiratet mit Pauline Anna, geb. Riesser (* 28.5.1883 Frankfurt am Main, † ?), mit der er drei Söhne hatte.
Ehrungen
Gesellschaftsmedaille und italienische Geige des Konservatoriums der GdM 1892.
Schriften
Mein Schüler Paul Hindemith. Erinnerungen in Hindemith-Jb. 1 (1971).
Literatur
Orpheus im Exil 1995; Riemann 1961 u. 1975; Biogr. Hb. der dtspr. Emigration 1983; Müller-Asow 1929; Neues Wr. Tagbl. 13.11.1895, 8, 23.1.1896, 2f; Neues Wr. Journal 7.4.1937, 11, 16.4.1937, 11; www.lexm.uni-hamburg.de; Jahresberichte des Konservatoriums der GdM.


Sein Sohn

Wolfgang Eduard (Edward): * 20.12.1910 Frankfurt a. M., † 26.1.1993 München/D. Pianist, Komponist, Dirigent. Student am Hochschen Konservatorium in Frankfurt a. M. und an der MHsch. in Berlin u. a. bei Arthur Schnabel, Leonid Kreutzer (Klavier) sowie P. Hindemith (Komposition). Tätigkeit als Dirigent, 1935–37 als Klavierbegleiter von E. Steuermann Konzertreisen in die USA, Ostasien und Südamerika, 1939 Emigration in die USA, dort als Arrangeur, Aufnahmeleiter und Pianist in Hollywood tätig. 1955 Rückkehr nach Deutschland, zunächst Lehrbeauftragter, ab 1962 Dozent am Richard Strauss-Konservatorium in München.


Werke
Proverbia f. Chor u. Orch. 1952, Soirée passionelle f. Kl. u. Orch. 1954, Flötentöne f. Fl. u. Orch. 1955, Virtuose Legende f. Va. u. Orch. 1955, Suiten (Persönliche Noten 1961, Aus Südamerika 1964), Ouvertüre Allerlei Brimborium 1960; Kammermusik; Hörspielmusik.
Literatur
Orpheus im Exil 1995; Riemann 1961 u. 1975; DBEM 2003.


Sein Cousin

Arthur (Artur): * 30.7.1890 Lemberg/Galizien (L’viv/UA), † 8.12.1949 Los Angeles, CA/USA. Komponist, Librettist. Der Sohn eines aus Lemberg stammenden Vertreters und späteren Geschäftsmannes wuchs in Wien auf, wo er eine Ausbildung im Klavierspiel erhalten hatte. 1900–05 besuchte er das II. Staatsgymnasium (Erzherzog Rainer-Gymnasium) in der Kleinen Sperlgasse (Wien II). An welcher Schule er maturierte, ist nicht bekannt. Nach der Matura (vermutlich im Frühjahr 1909) studierte R. vom Wintersemester 1909/10 bis zum Wintersemester 1913/14 an der philosophischen Fakultät der Univ. Wien (u. a. auch Hörer von G. Adler, M. Dietz und R. Wallaschek), legte jedoch keine Rigorosen ab. 1909 ist er erstmals als Textdichter von Chansons von A. M. Werau belegbar, 1910 trat R. als „Jung-Wiener Schriftsteller“ an die Öffentlichkeit und schrieb einige Zeitungsartikel. In der Folge gelang es R. rasch, als Verfasser von Chansontexten in der Kabarettszene Fuß zu fassen. 1911 erschien erstmals ein von ihm getextetes Chanson, Eine halbe Stunde zu spät (M: Hugo Leonard), in Berlin im Druck. Ab 1912 ist er auch als Komponist von einigen Chansons und Schlagern belegbar. 1913 verpflichtete er sich zu einem Präsenzdienstjahr und zu elf Jahren in der Reserve beim IR Nr. 4 Hoch- und Deutschmeister, wurde jedoch bereits im Herbst 1914 als waffenunfähig klassifiziert. Seinen Militärdienst leistete er danach beim k. k. Landwehr-IR Nr. 1 ab und wurde als Schreiber eingesetzt. Ab 1915 textete er auch Schlager für R. Stolz, mit dem ihm mit Halloh! Du süße Klingelfee (1919) und Salome (1920) zwei außerordentliche Erfolge gelangen. In erster Ehe seit 6.12.1916 mit Johanna Möller, verwitwete Deutsch (* 10.5.1887 Hamburg/D, † 3.3.1929 Berlin [Freitod]) verheiratet, mit der er die Töchter Ruth (verh. van Heel, * 27.7.1916 Wien, † ?) und Eva (* 16.8.1918 Wien, † ?) hatte. 1918 wurde sein erster von ihm, gemeinsam mit Fritz Lunzer getexteter Operetteneinakterzyklus, Leute von heute, uraufgeführt. Im selben Jahr begann seine langjährige Zusammenarbeit mit W. Engel-Berger, für den er 1920 seine erste Revue textete. Bis 1931 schrieb er für ihn über 40 Schlagertexte. Ab 1919 verfasste R. auch einige Drehbücher für den Film. Zwischen 1920 und 1923 lebte er mit seiner Familie fallweise in Berlin, wo er sich Anfang 1924 dauerhaft niederließ. Hier arbeitete er an zahlreichen Operettenlibretti mit, textete Schlager, die v. a. in Berliner Verlagen, aber auch im Wiener Bohême-Verlag erschienen. Außerdem schuf er zahlreiche deutsche Übertragungen v. a. englischsprachiger Schlager und übertrug fremdsprachige Bühnenwerke ins Deutsche, so gemeinsam mit Hans H. Zerlett Vincent Youmans Operette No, no, Nanette (EA 7.11.1925 Berlin). Darüber hinaus war er um 1924/25 mit Curt Heinz Wergo Eigentümer des Verlags Edition Rebner & Wergo, der Schlager u. a. von F. Lehár und Irving Berlin veröffentlichte. Am 21.2.1930 heiratete er in Hamburg Elisabeth Stein (* 23.9.1906 München/D, † ?), die Scheidung erfolgte 1937 in Wien. Hierhin war er im April 1933 zurückgekehrt. In Wien Zusammenarbeit u. a. mit Kurt Robitschek und H. und K. M. May. Im März 1934 Aufenthalt in Paris, wo er im Wiener Künstler-Klub, der im Café Lurion Kabarettabende gestaltete, in einer „Nacht der Komponisten“ mitwirkte. Im März 1938 Emigration über die Schweiz nach Frankreich. In Paris heiratete er am 5.6.1940 Stella Beck (* 6.3.1904 Wien, † 1991 [Ort?]). 1940 floh das Ehepaar nach Portugal, im Dezember 1941 emigrierten beide nach Mexiko City. Aus gesundheitlichen Gründen im Dezember 1947 Übersiedlung nach Los Angeles, wo R. weiterhin literarisch tätig war. Bis zu seiner Emigration 1938 schrieb R. Texte für rund 120 Komponisten, seine erfolgreichste Periode waren die 1920er Jahre. Während die Operetten und Revuen, an denen R. beteiligt war, heute vergessen sind, gelangen ihm Texte einiger Evergreens.


Werke
20 Operettentexte (gem. m. F. Lunzer Leute von heute. Drei bunte Bilder aus heutiger Zeit 1918: Das gefährliche Alter [M: R. Stolz], Fräulein Leutnant [M: E. Eysler], In der Kunstausstellung [M: A. M. Werau]; Die Fuchsfalle 1918 [M: A. M. Werau], gem. m. Richard Kessler Der blonde Engel 1921 [M: Robert Winterberg], gem. m. A. M. Willner Der heilige Ambrosius 1921 [M: L. Fall], Gesangstexte zu Der geizige Verschwender [M: R. Fall] 1922, Die tolle Lola [M: H. Hirsch] 1922, gem. m. Martin Zickel und Hans Ritter Wenn man verliebt ist [M: H. Hisch] 1924, gem. m. August Neidhart Yvonne [M: H. Hirsch] 1926 und Ninon am Scheideweg [M: L. Ascher] 1926, Mit dir allein auf einer einsamen Insel [M: R. Benatzky] 1929, gem. m. Karl Rößler Die tanzende Stadt 1934 [M: H. May]); Revuen (Der große Schlager [M: W. Engel-Berger] 1920, gem. m. H. H. Zerlett Confetti [M: Rudolf Nelson] 1924, Die Nacht der Nächte [M: R. Nelson] 1926 und Wieder Metropol [M: H. Hirsch] 1926, Gesangstexte zu Aus der Luft gegriffen [M: E. Straus] 1936, Die Königin läßt bitten [M: K. M. May] 1936); über 300 Texte für Chansons, Schlager und Wienerlieder (Frühling in Wien [M: R. Stolz]; Halloh! Du süße Klingelfee [M: R. Stolz], Salome [M: R. Stolz], Wer wird denn weinen, wenn man auseinandergeht [M: H. Hirsch], Eine kleine Freundin hat doch jeder Mann [M: F. Lehár], Ja, so ein Rutscher [M: H. Leopoldi], Zieh' dich wieder an, Josefin' [M: R. Katscher]; Ein Stückerl hinterm Prater [M: Hans Georg]; Finden Sie, daß Constanze sich richtig verhält [M: Mischa Spoliansky]); Schlager (Weine nicht, Du hast mir die Ruh‘ genommen, Liebe ist doch kein Verbrechen); Filmmusik (Acht Mädels im Boot 1932); Filmdrehbücher (u. a. gem. m. Leo Lasko Schuberts Frühlingstraum 1931, gem. m. Fritz Zoreff Ein Stern fällt vom Himmel 1934).
Literatur
M. Kornberger, „Einmal sang die Liebe uns ein Lied“. Dt. Schlager der Zwischenkriegszeit und seine Protagonisten in Wien, Diss. Graz 2018; Chr. Cargnelli/M. Omasta (Hg.), Aufbuch ins Ungewisse 2, 1993; Orpheus im Exil 1995; F. Trapp et al., Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters. 1933–1945 2/2, 1999; Riemann 1975; Biogr. Hb. der dtspr. Emigration 1983; Czeike 5 (1997); F-A 2 (1978); Bauer 1955; Stieger III/3 (1981); H. Traber/E. Weingarten (Hg.), Verdrängte Musik 1987; Glenzdorfs Internationales Film-Lex. 3 (1961); www.demos.ac.at (8/2019).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Rebner, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 22/10/2019]