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Schlägl
Prämonstratenser-Chorherrenstift und Gemeinde im Mühlviertel/OÖ, 1218 von Chalhoch von Falkenstein gegründet. Die Zisterzienser, die sich hier einige Jahre davor niedergelassen hatten, verließen die Gegend aufgrund des rauen Klimas wieder. Die spätromanische Stiftskirche wurde 1242–60 errichtet und im 15. Jh. gotisiert. Propst Rudger (1289–1304) konnte auch in Niederösterreich Besitzungen erwerben. 1362 erhielt der benachbarte Ort Aigen im Mühlkreis/OÖ von Rudolf IV. das Marktrecht. Nach der Blütezeit im 14. Jh. wurde das Stift in der 1. Hälfte des 15. Jh.s durch die Hussitenkriege in Mitleidenschaft gezogen. 1489 wurde Sch. mit den Pontifikalien ausgestattet, nach den Verwüstungen im Bauernkrieg (1626) unter Abt Martin Greysing 1657 zur Abtei erhoben. Von den Klosteraufhebungen Josephs II. blieb Sch. zwar verschont, das kulturelle Leben wurde aber stark beeinträchtigt. Nach der Auflösung im Zweiten Weltkrieg (1941–45) begann der Wiederaufbau.

Außer einigen aus dem 11./12. Jh. stammenden Fragmenten, deren Provenienz nicht geklärt ist, haben sich aus der Frühzeit des Klosters ein Graduale mit Sequentiar (11 Cpl 47/1, Mitte 13. Jh.) und ein Lektionar (11 Cpl 47/2, 13. und 15. Jh., teilweise mit Quadratnotation) erhalten. Um 1522 kopierte vermutlich Fr. Stephan Schmierer für Sch. ein Antiphonar (Sommerteil, 242 Cpl 1) und ein Graduale (243 Cpl 2). Das früheste Prozessionar, das ein „patrocinium nostri monasterii“ (Assumptio Mariae) enthält, stammt aus dem Ende des 15. Jh.s (227 Cpl 253). Ein Musiktraktat ist in 164 Cpl 176 überliefert, der allerdings 1485 in Nürnberg/D geschrieben wurde. Die Pflege von Mehrstimmigkeit im 16. Jh. belegt ein als Einband verwendetes Chorbuch-Fragment in weißer Mensuralnotation (Stiftsarchiv, Hs. 204, wahrscheinlich eine Motette Congratulamini mihi).

Erst 1596 wird ein Kantor erwähnt: Georg Molitor (Müller, ?–1616), ein Laie, der auch Hofrichter im Stift war. An weiteren Kantoren sind die Kanoniker Wenceslaus Arnold (Avelt, 1637–44) und Hieremias Helderle (bis 1649) zu nennen; letzterer wurde vom Succentor Hermann Huetter (* ?, † 1660 Friedberg/Böhmen [Frymburk/CZ]) unterstützt.

Der erste namentlich bekannte Organist ist Sewalt Reichensperger, der eher zufällig in einer Urkunde vom 28.8.1578 bezeugt ist. Danach waren J. Hannick (1594–1633), Ch. Erbach d. J. (1633/34), W. Prandtner (1634/35), G. Kopp (1635–37) und J. Hofpauer (1642–89) als Organisten im Stift angestellt. Um die Mitte des 17. Jh.s erlebte das Stift unter Abt Greysing eine wirtschaftliche und kulturelle Hochblüte, die sich auch in der Anschaffung mehrerer Instrumente äußerte. Ferner errichtete er eine Hauslehranstalt und ermöglichte den Klerikern ein Univ.sstudium. Unter den Geistlichen Spielen ist ab 1667 ein Weihnachtsspiel und 1770 ein Floriani-Spiel belegt.

Die Musikgeschichte des 18./19. Jh.s ist noch wenig erforscht. Dass 1755 ein Schäferchor mit dem Titel Kindliche Herzenshuldigung im Stift aufgeführt wurde, ist eine der vereinzelten Nachrichten, die kaum ein Gesamtbild ergeben. Zahlreiche Werke wurden von Martin Mathias Löffler (1748–1813) kopiert, der im Stift auch als Regens chori und Komponist tätig war. Unter den böhmischen Musikern, die das Musikleben inSch. bereicherten, ist J. N. A. Maxandt zu nennen, der hier ca. 1773–76 Stiftsorganist und Kirchenkomponist war, weiters W. Wawra (1783–91 Stiftsmusiker und Tafeldecker) oder Andreas Bartholomeus Kamen OPraem (1757–1802), von dem sich auch Instrumentalkonzerte erhalten haben. Zu dem Kreis, der die Beziehungen Sch.s zum Prämonstratenserkloster Strahov bei Prag repräsentiert, gehört auch der Organist und Komponist J. L. Oelschlegel OPraem (1724–88). 1786 erfolgte die Gründung einer Stiftsschule und (etwa zur gleichen Zeit) eines Sängerknabenkonvikts, das bis 1941 bestand. – Unter den Chorregenten des 19. Jh.s, die auch komponierten, ragt Friedericus Bayer (?–1840), ein Schüler von Maxandt, heraus.

Weiters sind als Chorregenten zu nennen: 1834–37, 1842–48, 1860–62 und 1864–66 Ludolf Zimmermann (* 3.12.1807 Ottensheim/OÖ, † 29.8.1875 Sch.), 1838–40 → J. N. Thür (* 8.3.1784 Kirchschlag/Böhmen, † 8.2.1840 Sch.), 1840–42 Paulus Krenner (* 20.9.1812 Haslach/OÖ, † 29.7.1878 Sch.), 1849–53 Max Holzinger (* 15.8.1825 Schwanenstadt/OÖ, † 10.3.1900 Sch.), 1854/55 Philipp Pock (* 24.10.1825 Wischau/Mähren [Vyškov/CZ], † 19.4.1858 Wien), 1855 Bernhard Fürlinger (* 2.3.1827 Ulrichsberg/OÖ, † 28.3.1880 Götzendorf bei Rohrbach/OÖ), 1855–57 Jakob Leyrer (* 18.10.1821 Litschau/NÖ, † 1.9.1871 Budapest), 1858/59 und 1863 Ulrich Kindermann (* 26.11.1826 Pasching/OÖ, † 13.6.1883 Sch.), 1867–71 Franz Holzhammer (* 3.3.1802 Oberneukirchen/OÖ, † 11.8.1875 Linz [Landesirrenanstalt Niedernhart]), 1872–74 Gregor Hiebl (* 18.8.1843 Linz, † 25.3.1880 Sch., studierte Musiktheorie in St. Florian bei Josef Seiberl), 1874/75 Philipp Kindermann (* 28.9.1844 Weislowitz/Böhmen [Velislavice/CZ], † 8.6.1899 Aigen), 1876–79 Josef Kroiß (* 7.7.1850 Hintenschlag/OÖ, † 30.5.1924 Aigen), 1880/81 Augustin Ganglmayr (* 23.8.1818 Taufkirchen an der Trattnach/OÖ, † 16.10.1881 Sch.), 1881–85 Norbert Schachinger (* 23.6.1842 Mittermoos bei Gurten/OÖ, † 27.1.1922 Sch., ab 1885 Abt), 1890/91 und wieder 1922–24 Evermod Hager (* 13.8.1865 Pram/OÖ, † 30.6.1925 Linz).

Die Liturgie wurde v. a. mit Instrumentalmessen (Messe) der Wiener Klassiker (M. und J. Haydn, W. A. Mozart) sowie von S. Sechter und L. Cherubini gestaltet, eine Entwicklung, die der Cäcilianismus allerdings beendete. Der Chorherr Ludolf Zimmermann (?–1875) setzte sich für den deutschsprachigen Gemeindegesang und besonders für Marienlieder ein.

1924–34 war A. Trittinger Chordirektor in Sch., Organist war 1934/35 Alois (Theodor) Pazelt (* 29.6.1903 Ottensheim, † 2.7.1983 Wels/OÖ, er verließ 1935 das Kloster). Vom damaligen Friedberger Stiftsorganisten I. Stögbauer wurden einzelne Messsätze und im Rahmen der „Caecilienfeier“ 1930 eine geistliche Kantate aufgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Kirchenchor gegründet. Unter den Chören, die in Sch. Konzerte gaben, waren der Mühlviertler Singkreis (auch Sch.er Kantorei) und der Linzer Domchor unter J. Kronsteiner. Bis 1964 war Bruno Grünberger Regens chori. Vor seiner Anstellung als Domorganist zu St. Stephan in Wien war P. Planyavsky 1968/69 Organist in Sch.; er komponierte in dieser Zeit für das Stift u. a. das Chorwerk mit Orgelbegleitung Gesänge für die Osternacht. 1972 wurden von Isfried H. Pichler Kammermusikserenaden in den Sommermonaten initiiert. Seit mehr als drei Jahrzehnten dominiert R. G. Frieberger (1969–75), der Organist und (seit 1975) Kapellmeister des Stiftes, das Sch.er Musikleben (Leitung der Cantoria Plagensis und des Stiftsorchesters, Organisation zahlreicher Konzerte u. a. musikalischer Veranstaltungen, besonders der Sch.er Musikseminare). Organist war 1975–2009 der Schwede Ingemar Melchersson (* 1946), sein Nachfolger ist (2014) Christopher Zehrer (* 1985).

Zur Geschichte der Orgeln existiert im 15. Jh. kein Dokument. 1576 wird in einem Inventar ein Regal genannt, 1578 der erste Organist erwähnt. Nach Brandlegung und Plünderung des Stiftes beim Bauernaufstand 1626 mussten neue Instrumente angeschafft werden: 1631 ein Regal für das Chorgestühl, zur gleichen Zeit der Auftrag für die Hauptorgel (II/21, s. Abb.) an A. Butz (Putz), die 1633/34 entstand und ein Meisterwerk des frühbarocken Orgelbaus darstellt. Es erfolgten Reparaturen u. a. 1702–08 von J. Ch. Egedacher (der 1640 auch ein Positiv lieferte) und 1890 von Jos. Mauracher, ein Umbau durch J. Lachmayr 1904, schließlich die Restaurierung und Rückführung von der Schweizer Firma Thomas Kuhn bis 1960. 1952–54 wurde von Wilhelm Zika sen. (1872–1955) eine einmanualige Chororgel errichtet, die 1965 erweitert wurde (II/23). Eine Rarität unter den Musikinstrumenten des Stiftes sind drei Elfenbein-Blockflöten (Flöte), die Anfang des 18. Jh.s vom Nürnberger Flötenmacher Johann Benedikt Gahn verfertigt wurden.


Literatur
R. G. Frieberger, Entwicklung der Kirchenmusik und des Orgelbaues im Praemonstratenserstift Sch. von der Gründung (1218) bis 1665 , 1973; R. G. Frieberger, Kirchenmusikpflege an der Praemonstratenserabtei Sch. von 1838 (Beginn der Regierung des Abtes Dominik Lebschy) bis 1941 (Beschlagnahme des Stiftes durch das nazionalsozialistische Regime), [2008]; C. Effert, Musikgesch. der Praemonstratenserabtei Sch. unter besonderer Berücksichtigung des 18. u. 19. Jh.s, Hausarb. Salzburg Mozarteum [1977]; Beiträge v. R. G. Frieberger u. M. Andel in Sch.er Orgelkonzerte. Jubiläumsschrift, hg. v. R. G. Frieberger 1979; R. G. Frieberger, Orgeln im Stift Sch. und in seinen inkorporierten Pfarreien 2009; R. G. Frieberger (Hg.), Die große Orgel in der Stiftskirche Sch. 1989; O. Wessely, Musik in Oberösterreich 1951; M. Köchler, Die Traditio cantus gregoriani in der Abtei Sch., Hausarb. Salzburg Mozarteum 1985; MGÖ 1 (1995); I. H. Pichler, Aigen-Sch. 1979; Hb. hist. Stätten/Donauländer u. Burgenland 1970; Kellner 1956; ÖL 1995; M. Huglo, Les manuscrits du processional 1 (1999); www.schlaeglmusik.at (9/2014); Mitt. R. Klugseder.

Autor(en)
Alexander Rausch
Empfohlene Zitierweise
Alexander Rausch, Art. „Schlägl‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 07/10/2014]