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Schubert, Schubert, Franz Brüder
Franz Peter: * 1797-01-3131.1.1797 Himmelpfortgrund (heute Wien IX), † 1828-11-1919.11.1828 Wieden (heute Wien IV). Komponist. 12. Kind (vierter überlebender Sohn) von Franz Theodor und Elisabeth (s. o.). Den ersten Musik- und Violinunterricht erhielt Fr. um 1805 von seinem Vater; sein Bruder Ignaz brachte ihm die Anfangsgründe des Klavierspiels bei. 1805–08 wurde Fr. von M. Holzer, dem Chorregenten der Lichtentaler Kirche, im Orgel- und Generalbassspiel unterwiesen. 1804 begegnete Sch. erstmals A. Salieri, der 1808 wahrscheinlich seine Aufnahme als Sängerknabe in die K. k. Hofkapelle befürwortete. In dieser Funktion war Sch. 1808–13 als Stipendiat im K. k. Stadtkonvikt untergebracht, von wo aus er das nahe gelegene Akademische Gymnasium besuchte. Seinen Musikunterricht setzte er bei dem Hoforganisten W. Ruzicka fort, unter dessen Leitung er auch im Konviktsorchester spielte (dort avancierte er vom Pult der zweiten Violine bald zu jenem der ersten, von dem aus er das kleine Orchester dann gelegentlich leiten durfte). Seine außergewöhnliche musikalische Begabung schlug sich ab 1810 in ersten Kompositionen nieder und führte dazu, dass ihn A. Salieri 1812–16 unter seine Kompositionsschüler aufnahm. Der Unterricht umfasste Kontrapunkt- und Kompositionsstudien, darunter v. a. Vertonungen italienischer und deutscher Texte. Unter den während seiner Schulzeit entstandenen Kompositionen dominieren Instrumentalwerke (hauptsächlich Streichquartette), die für das häusliche Musizieren im Familienkreis und im Stadtkonvikt bestimmt waren. Daneben schrieb er Fantasien für Klavier, mehrere Ouvertüren und den Beginn der ersten Symphonie (D 82). Seine ersten Vokalkompositionen (vorwiegend nach Textvorlagen von Friedrich Schiller und Friedrich von Matthisson) behandeln meist düstere Sujets. Zahlreiche seiner ersten Kompositionen weisen bereits wie seine späteren Werke beachtliche Längen auf. Ein weiteres Charakteristikum sind häufige Selbstzitate (Zitat) und die wiederholte Überarbeitung einzelner Kompositionen. Nach seinem Austritt aus dem Stadtkonvikt besuchte Sch. 1813/14 die Lehrerbildungsanstalt an der Normal-Hauptschule zu St. Anna; danach war er bis zum Juni 1818 als Schulgehilfe bei seinem Vater tätig. Während dieser Zeit festigten sich ein Linzer und ein Wiener Freundeskreis, in deren Zentren der Oberösterreich J. v. Spaun und der nach Wien mit seiner Familie zugewanderte Franz von Schober standen. Bei letzterem hat Sch. mehrmals gewohnt, erstmals 1816/17, um sich von seinem Elternhaus zu verselbständigen. Im April 1816 bewarb er sich vergeblich um die Stelle eines Musiklehrers in Laibach; die mit diesem Posten verbundenen sicheren Einkünfte hätten es ihm ermöglichen sollen, seine Jugendliebe Therese Grob zu heiraten und eine Familie zu gründen. Für seine Lichtentaler Heimatpfarre schrieb er zu dieser Zeit kleinere Kirchenmusikwerke und seine frühen Messen (in F, G, B und C), die ihm erste öffentliche Erfolge bescherten. Im Herbst 1817 vermittelte Schober seine Bekanntschaft mit J. M. Vogl, der zu einem seiner bedeutendsten Förderer und Liedinterpreten wurde. Sch. hatte damals bereits eine große Anzahl an Liedern (Klavierlied) geschrieben (1815/16 entstanden rund 250 Gesänge), aus der seine Goethe-Vertonungen herausragen. Für die Orchesterübungen und Hauskonzerte bei Otto Hatwig im Schottenhof (Wien I) komponierte er seine Symphonien 2–6 sowie mehrere Ouvertüren. Das Jahr 1818 brachte eine wichtige Zäsur in seinem Leben: Er gab den ungeliebten Beruf eines Schullehrers endgültig auf, verließ sein Elternhaus, wurde Musiklehrer bei der Familie des Grafen Johann Esterházy und begann als frei schaffender Komponist zu leben. In den Sommermonaten der Jahre 1818 und 1824 begleitete er die Familie Esterházy auf deren Schloss nach Zseliz/Ungarn (Želiezovce/SK), wo er die Komtessen Marie und Karoline hauptsächlich im Klavierspiel unterrichtete; für diesen Unterricht entstanden zahlreiche Werke für Klavier zu vier Händen. Um 1824 fasste er zu Karoline eine (unerwidert gebliebene) Zuneigung, die in der Widmung seiner Fantasie in f-Moll für Klavier zu vier Händen (D 940) Ausdruck fand. 1818 erschien sein erstes Lied im Druck (Erlafsee, D 586) und wurde eines seiner Werke erstmals öffentlich aufgeführt (eine der beiden Ouvertüren „im italienischen Stile“, D 590 oder 591). Nach seiner Rückkehr von Zseliz nach Wien zog er zu seinem oberösterreichischen Dichterfreund Johann Mayrhofer, dessen Gedichte ihn zu zahlreichen Vertonungen inspirierten und mit dem er bis Ende 1820 die Wohnung teilte. Seine Werke wurden nun hauptsächlich bei Hauskonzerten im Freundeskreis und ab 1821 im Rahmen von sog. Schubertiaden aufgeführt, die auch der Verbreitung seiner ersten (noch in Kommission erschienenen) Liederhefte dienten. Ab 1819 war er auch häufig in den „Abendunterhaltungen“ der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien mit Liedern und mehrstimmigen Gesängen vertreten. Gemeinsam mit dem Sänger J. M. Vogl reiste er in den Sommermonaten der Jahre 1819, 1823 und 1825 nach Oberösterreich und Salzburg, wo die beiden jeweils mit Erfolg seine neuesten Lieder vortrugen und bekannt machten. Vogl setzte sich auch für die Aufführung des für ihn geschriebenen Singspiels Die Zwillingsbrüder (D 647) ein, die im Juni 1820 am Wiener Kärntnertortheater über die Bühne ging; ihr folgte im August desselben Jahres die UA des Zauberspiels und Melodrams Die Zauberharfe (D 644) im Theater an der Wien. Der Zeitraum 1818–23 war geprägt von Sch.s Selbstfindung als Komponist (oft auch als „Jahre der Krise“ bezeichnet), in dem viele Werke unvollendet blieben: neben der Unvollendeten (D 759) von 1822 drei weitere Entwürfe zu Symphonien, ein Streichquartett (D 703), fünf Klaviersonaten und zwei Bühnenwerke. Sch. begann sich in dieser Zeit intensiv mit dem Werk L. v. Beethovens auseinanderzusetzen. Neue Anregungen für sein Liedschaffen konnte er im literarischen Freundeskreis um Schober gewinnen, der ihn vermutlich mit Texten von Novalis, Friedrich Rückert und der Brüder Friedrich und August Wilhelm Schlegel bekannt machte. Das Jahr 1823 brachte zunächst seine erste Auszeichnung (Ernennung zum Ehrenmitglied des Musikvereins für Steiermark). Ein schwerer Schicksalsschlag war für ihn im Sommer eine schwere (vermutlich syphilitische) Erkrankung, die einen Aufenthalt im Wiener Allgemeinen Krankenhaus zur Folge hatte; dort begann er seinen Liederzyklus Die schöne Müllerin nach Texten von Wilhelm Müller (D 795) zu komponieren, der bereits 1824 im Druck erschien. Die folgenden Jahre waren von einer verstärkten Publikationstätigkeit geprägt (1825–28 erschienen rund 70 Opera im Druck; mehr als die Hälfte davon waren Liederhefte). Hinzu kamen vermehrt öffentliche Aufführungen seiner Werke, die durch seine Kontakte mit verschiedenen Künstlern (K. M. v. Bocklet, P. A. Milder-Hauptmann, I. Schuppanzigh, J. Slawjk u. a.) bewirkt wurden. Trotz steigender öffentlicher Anerkennung blieben ihm Enttäuschungen nicht erspart: Dazu zählten zunächst die Ablehnung seiner Werke durch ausländische Verleger, sein Scheitern in den Bemühungen um weitere Opernaufführungen und seine vergebliche Bewerbung um die Stelle eines Vizehofkapellmeisters 1826. Mit seiner Instrumentalmusik konnte er zu Lebzeiten auch nicht dieselbe Geltung erringen wie mit seinen Liedkompositionen, in denen er den literarischen Strömungen seiner Epoche treffenden Ausdruck verlieh. Seine letzte größere Reise führte ihn im September 1827 nach Graz, wo seine Kompositionen mit Begeisterung aufgenommen wurden. Nach Beethovens Vorbild veranstaltete er im März 1828 ein „Privatkonzert“, bei dem ausschließlich Werke von ihm gespielt wurden. In diesem Jahr beendete er die Serie seiner sechs Messen mit einer ebenso großen wie ambitionierten Komposition in Es (D 950). Nach seinem zweiten Liederzyklus Winterreise (ebenfalls nach Texten von Wilhelm Müller, D 911) von 1827 schrieb er in seinem Todesjahr 14 Lieder nach Gedichten von Ludwig Rellstab, Heinrich Heine und J. G. Seidl, die nach seinem Ableben unter dem Titel Schwanengesang (D 957) veröffentlicht wurden. V. a. die Heine-Vertonungen sind im Hinblick auf ihre Knappheit und den sparsamen Einsatz musikalischer Mittel zukunftsweisend; dies betrifft in anderer Weise auch die Instrumentalmusik dieses Jahres (drei letzte Klaviersonaten in c, A und B, D 958–960, und das Streichquintett in C, D 956), die allerdings an die formalen Grenzen der zu seiner Zeit üblichen Gattungen stößt und diese in Frage stellt. Dies mag ihn letztlich dazu bewogen haben, im November 1828 nochmals Kompositionsunterricht (für Fugenstudien) bei S. Sechter zu nehmen, der jedoch nicht von langer Dauer war. Zu Beginn dieses Monats zog er sich eine schwere Infektion (vermutlich Typhus) zu, an deren Folgen er verstarb. Er wurde am 21.11. am Währinger Ortsfriedhof (Wien XVIII) in der Nähe von Beethoven beigesetzt und nach Schließung 1873 auf den Zentralfriedhof umgebettet.
Gedenkstätten
Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof; Gedenktafel am Sterbehaus Kettenbrückengasse 6 (Wien IV); Gedenktafel am ehem. Schulhaus, Dr. Ignaz-Seipel-Platz 1 (Wien I, s. Abb.); Gedenktafel an der Spiegelgasse 9 (Wien I, s. Abb.); Gedenktafel an der Zwillinggasse 1 (Wien XIX, s. Abb.); Gedenktafel an der Alserkirche (Wien VIII, Alser Straße 17, s. Abb.), Gedenktafel am Haus Judengasse 8 (Salzburg, s. Abb.); Gedenktafel am Schloss Wildbach bei Deutschlandsberg; Gedenktafel am Haus Bismarckstr. 8 in Fürstenfeld/St; Gedenktafel am Haus Michaeligasse 7 in Hartberg; Sch.gasse (Wien IX); F.- Sch.-Straße (Wien XIV); F.-Sch.-Weg (Wien XVIII); Sch.ring (Wien I); Sch.str. (Graz III); Marmortafel im Hallerschloss, Hallerschloßstr. 39 (Graz); Marmor-Porträtrelief am Haus Herreng. 28 (Graz).
Ehrungen
Ehrenmitglied des Steiermärkischen und des Linzer Musikvereins 1823; Ersatzmann im Repräsentantenkörper der GdM in Wien 1825 (ab 1827 w. M.).
Werke
Kirchenmusik (6 Messen, Dt. Messe, kleinere Sakralkompositionen), 1 unvollständiges Oratorium (Lazarus, D 689), Opern (Des Teufels Lustschloß, D 84, Alfonso u. Estrella, D 732, und Fierrabras, D 796), Singspiele, Bühnenmusik zu Rosamunde (D 797), rund 130 mehrstimmige Gesänge, über 600 Lieder; 8 Symphonien, Ouvertüren; Kammermusik (Nonett, D 79, Oktett, D 803, Klavierquintett in A „Forellenquintett“, D 667, Streichquintett in C, D 956, 16 Streichquartette, Klavierquartett in F, D 487, 4 Klaviertrios, Streichtrios, Violinsonaten, Sonate f. Arpeggione u. Kl., D 821); Klaviermusik (Werke f. Kl. zu 4 Händen: Variationen, Divertissements, Märsche und Tänze), 23 Klaviersonaten, Klavierstücke (Variationen, Impromptus und Moments Musicaux) sowie rund 500 Tänze f. Kl. zu 2 Händen. – Ausg.: Fr. Sch.s Werke. Kritisch durchgesehene GA, hg. v. E. Mandyczewski, J. Brahms et al., 21 Serien 1884–97; Fr. Sch., Neue Ausgabe sämtlicher Werke, hg. v. W. Aderhold et al. 1964ff.
Literatur
O. E. Deutsch, Fr. Sch. Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge 1978; H. Kreißle v. Hellborn, Fr. Sch. 1865; Deutsch, Schubert Erinnerungen 1957; Deutsch, Schubert Dokumente 1980; M. J. E. Brown, Sch. Eine kritische Biographie 1969; H. Goldschmidt, Fr. Sch., ein Lebensbild 71980; P. Gülke, Fr. Sch. und seine Zeit 1996; P. Clive, Sch. and his World. A Biographical Dictionary 1997; SchubertL 1997; W. Dürr/A. Krause (Hg.), Schubert Hb. 1997; MGG 12 (1965); NGroveD 22 (2001); ÖBL 11 (1999).

Autor(en)
Walburga Litschauer
Empfohlene Zitierweise
Walburga Litschauer, Art. „Schubert, Brüder‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 16/10/2017]

MEDIEN
Gedenktafel am ehem. Schulhaus, Dr. Ignaz-Seipel-Platz 1 (Wien I)
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Gedenktafel Spiegelgasse 9 (Wien I)
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Gedenktafel Zwillinggasse 1 (Wien XIX)
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Gedenktafel Alserkirche, Alser Straße 17 (Wien VIII)
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Gedenktafel Judengasse 8 (Salzburg)
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Gedenktafel Straubingerplatz (Bad Gastein)
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HÖRBEISPIELE

Fuge in d-moll, N.DV 24c
© 1999 Studio Weinberg,  4292 Kefermarkt

Nonett (Franz Schuberts Begräbniß-Feyer) für Bläser in es-Moll, D 79 (1813)

Chor mit Solo (Dem König Heil), Einzelnummer zum Opernentwurf Adrast, D 137

GND
Schubert, Franz
Weiterführende Literatur (OBVSG)

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