Unter Simons und seinen Nachfolgern R. Mader (1917–19) und F. Weingartner (1919–24), die auch selbst dirigierten, entwickelte sich die V. zum 2. repräsentativen Opernhaus Wiens, an dem auch einige EA.en stattfanden (Der Kuhreigen von W. Kienzl, 1920 La Rondine von Puccini, 1922 Boris Godonow von Modest Mussorgsky). Zum Ensemble zählten u. a. V. Ursuleac, Emil Schippers und J. v. Manowarda, Gastspiele gaben Enrico Caruso, L. Slezak und R. Tauber.
Schon 1920 zeichnete sich ein finanzielles Desaster ab. Da Weingartner immer wieder auf Auslandsreisen war, wurde zunächst K. Lustig-Prean und dann Hugo Gruder-Guntram zu Mitdirektoren ernannt. Ihnen folgten A. M. Markowsky als Direktor und F. Stiedry als musikalischer Leiter des Hauses (1924/25). Erfolg brachten u. a. die Übernahme von Gräfin Mariza von E. Kálmán aus dem Theater an der Wien oder ein Gastspiel der Tänzerin Anna Pawlowa.
Nach wiederholter Schließung, Konkurs und Leitung durch verschiedene Direktoren wurde das Haus 1929 unter der Leitung von Jakob Feldhammer und O. L. Preminger als „Neues Wiener Schauspielhaus“ wieder eröffnet. L. Kraus (1931–33) und Lustig-Prean (1934/35) führten es wieder als Musiktheater, 1936–38 war Jean Ernest Direktor. 1936 debütierte J. Heesters als Bettelstudent.
1938 wurde das Theater von der Stadt Wien als „Städtische V.“ übernommen und nach Restaurierung und Modernisierung 1938–41 von A. Baumann jun., der den Sängernachwuchs förderte, mit großem Erfolg als Opernbühne geführt. Ab 1941 leitete Oskar Jölli das „Opernhaus der Stadt Wien“, wo u. a. L. Welitsch als Gast auftrat. Am 13.7.1944 folgte die kriegsbedingte Schließung.
Da das Haus keinerlei Kriegsschäden erlitten hatte, wurde es unter der interimistischen Direktion von A. Jerger bereits am 1.5.1945 mit W. A. Mozarts Hochzeit des Figaro unter der Leitung von J. Krips wieder eröffnet und während der Zeit des Wiederaufbaus der Staatsoper unter H. Juch als Opernbühne bespielt („Staatsoper in der V.“). Juch (1946–55) setzte Opern, Spielopern, Ballette und v. a. die klassische Wiener Operette (J. Strauß, C. Millöcker, F. v. Suppè und J. Offenbach) – u. a. Der Bettelstudent mit F. Liewehr und M. Cebotari – auf den Spielplan. 1952 gastierte ein amerikanisches Ensemble mit Porgy and Bess. An zeitgenössischen Werken wurde u. a. Die Bernauerin von Carl Orff (mit F. Liewehr und Käthe Gold) aufgeführt.
Während der Direktion von F. Salmhofer (1955–63) erlangte die V. mit der Wiedereröffnung der Staatsoper am 5.11.1955 wieder ihre vollständige Souveränität und baute ein eigenes Ensemble auf. Opern, Spielopern und Operetten, aber auch, auf Initiative des Dramaturgen M. Prawy, Musicals (1956 Kiss me Kate von Cole Porter und Wonderful Town von L. Bernstein) standen auf dem Programm. D. Luca leitete 1955–73 ein eigenes V.n-Ballett. 1961–63 folgte die erste bauliche Erweiterung des Hauses (Büros, Werkstätten, Magazine).
Unter A. Moser (1963–73) wurde das Haus umfassend renoviert (Modernisierung der elektrotechnischen Einrichtungen, des Zuschauerraums sowie Zubauten), als Ausweichquartier dienten die Redoutensäle. Moser wollte das eigenständige Profil der V. gegenüber der Staatsoper festigen, pflegte die komische Oper, Opern des 18. Jh.s, Musiktheater des 20. Jhs. und veranstaltete eigene Ballettabende.
Ihm folgte 1973–87 der erfolgreiche Buffodarsteller K. Dönch, der sich der Operettenpflege verpflichtete, aber auch Werke des 20. Jh.s ins Repertoire aufnahm (1973 Kleider machen Leute von M. Rubin, 1976 Albert Herring von Benjamin Britten) und ein Ensemble aufbaute. Erstmals wurden Gastspielreisen der V. nach Europa und Übersee (ab 1979 nach Japan) veranstaltet. 1978 folgte die Gründung der Konzertvereinigung Wiener V.n-Orchester.
E. Waechter (1986–92) und I. Holender (bis 1996) begannen einen deutschsprachigen Mozart-Da Ponte-Zyklus, nahmen unbekannte Werke von L. Janáček, Sergeij Prokofieff und Ambroise Thomas ins Repertoire auf. Klaus Bachler (1996–99) widmete sich der Pflege der klassischen Operette, setzte aber auch Wiederentdeckungen wie König Kandaules von A. Zemlinsky oder Die Bernauerin von Orff mit Sunnyi Melles und Tobias Moretti auf den Spielplan und brachte 1998 schließlich Die Meistersinger von Nürnberg von Rich. Wagner heraus. Ballettchefin wurde K. Duddy. In die Direktion von D. Mentha (1999–2003) fiel die formelle Ausgliederung aus dem Bundestheaterverband in die V. Wien GmbH. Ein europäischer Operettenzyklus 2002 brachte Werke aus Frankreich, Italien und Spanien. 2004 wurden u. a. Die Vögel von Walter Braunfels gegeben. 2003–06 leitete Rudolf Berger (* 1960) das Haus mit wechselndem Erfolg. Nach seinem vorzeitigen Ausstieg aus dem Vertrag übernahm im September 2007 Burgschauspieler Robert Meyer (* 1953) die Direktion. Mayer widmete der Operette ein besonderes Augenmerk, brachte aber auch Opern des 18.–20. Jh.s, klassisches Musical (pro Jahr eine Premiere) und Ballett in knapp 300 Aufführunge pro Saison auf die Bühne. Neben der neuen Sparte „V. Spezial“ mit Soireen, Kabarettistischem und Parodistischem legte dieV. Wert auf ein kinderfreundliches Programm, u. a. mit speziellen Zyklen und Workshops. Das Auftragswerk Antonia und der Reißteufel, eine Pop-Oper von Ch. Kolonovits (T: Angelika Messner) erwies sich als besonders erfolgreich. Meyer, der weiterhin auch selbst auf der Bühne stand und seit der Saison 2008/09 auch Regie führte, gelang es, die Auslastung des Hauses zu erhöhen und die Einnahmen zu steigern. Seit der Saison 2022/23 ist die niederländische Opernregisseurin Lotte de Beer (* 1981) Direktorin der V., die sich der Verjüngung des Hauses und der Förderung des künstlerischen Nachwuchses (u. a. durch die Gründung eines Opernstudios) verschreibt und damit neue Publikumsschichten anspricht.
Österreichischer Musiktheaterpreis „Goldener Schikaneder“ 2013 (Kategorie „Beste Ballettproduktion“ für Carmina Burana) u. 2015 (Kategorie „Beste Gesamtproduktion“ für Sweeney Todd); „Frosch“ der Operetten-Redaktion von BR-Klassik für Die Dubarry 2023.
Czeike 5 (1997); K. Bachler (Hg.), Die V. Das Wr. Musiktheater 1998; H. Prikopa, Die Wr. V. 1999; E. Gieler, Die Gesch. der Wr. V. von R. Simons bis 1945, Diss. Wien 1961; U. Simek in Maske u. Kothurn 41 (1998) H. 3–4; A. Schaupp, Die Gesch. der Wr. V. von 1945 bis 1955. Die Stellung des Hauses zw. der Zerstörung u. der Wiedereröffnung der Wr. Staatsoper am Ring, Diss. Wien 1990; www.volksoper.at (7/2024); www.musiktheaterpreis.at (6/2015); eigene Recherchen.
Monika Kornberger