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Lasner, Lasner, Ignaz Familie
Ignaz (eig. Isaak): * 1815-08-088.8.1815 Drosau/Böhmen (Strážov/CZ), † 1883-08-1818.8.1883 Wien. Cellist, Pädagoge. L. war mutmaßlich Schüler von Julius Goltermann in Prag und J. Merk sowie A. F. Servais in Wien und trat bereits vor 1847 öffentlich auf. Seine Spielweise war allerdings umstritten. Im Mai 1851 spielte er ein Konzert in Frohsdorf/NÖ im Beisein der kaiserlichen Familie. L. war zeitweise im Bühnenorchester in Brünn und als erster und Solo-Cellist an der ungarischen Oper in Arad (heute RO) beschäftigt. Ein Kennzeichen der Konzerte von L. war die Tatsache, dass namhafte Künstler und Künstlerinnen ihre Mitwirkung zusagten, die dann doch nicht kamen, wie etwa der Violinist E. Rappoldi. Vermutlich handelte es sich hierbei um geschickte Reklame. Ebenso unklar ist, mit welchen der folgenden von ihm angekündigten Personen L. tatsächlich konzertierte: N. Stollewerk, K. Mayerhofer, J. Lewinsky, F. Mögele, K. Schiller, K. Friedrich, den Brüdern Ferenczy, A. Robinson und A. Grünfeld. L. trat regelmäßig in Wien auf, u. a. im Saal des Klaviermachers J. B. Streicher, in den Salons der Familie Schweighofer und Bösendorfer sowie im Foyer des neuen Musikvereinsgebäudes. Darüber hinaus sind Auftritte in Brünn, Leitmeritz, Pilsen, Graz und Olmütz belegbar, laut Konzertankündigungen wirkte er auch in Prag, Krems, Temeswar (Timişoara/RO), Troppau, Berlin und Dresden/D. Obwohl L. laut eigenen Aussagen bis 1874 bereits 400 Konzerte – darunter zahlreiche Benefizkonzerte – gegeben hatte, findet sich in diesem Jahr ein Bericht über die ärmlichen Lebensverhältnisse des freischaffenden Cellisten. Seit 1.2.1863 mit Caroline Horn verheiratet, mit der er fünf Kinder hatte. L. war auch als Pädagoge tätig und unterrichtete neben seinem Sohn Karl u. a. J. Donat und E. Weinlich. Er erreichte eine gewisse Bekanntheit, war jedoch weniger als virtuoser Künstler denn als selbstironisches Original des alten Wien bekannt, den man als „rührend ärmliche Figur“ (Wr. Allgemeine Ztg. 21.8.1883, 8) belächelte. Er starb an Lungentuberkulose.
Werke
Zwei Wiegenlieder f. Vc. u. Kl., hrsg. v. K. L. 1911; Solowerke f. Vc. (Marsch, Schlummerlied, An ihn, Eine Thräne auf dem Grabe Meyerbeer’s, geweint von I. L.); Lieder (Gold’ne Wiege Deiner Freuden!, Süßes Kind, die Zukunft lächelt).
Literatur
Riemann 1929; F-A 1936; H. Abert (Hg.), Illustriertes Musiklex. 1927; Hb. Österr. Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jg. 1 (2002), 788; Th. Stengel/H. Gerigk, Lex. der Juden in der Musik 1940; Wr. allgemeine Musik-Ztg. 9.1.1847, 18; Fremden-Bl. 25.5.1851, 2; Neuigkeiten 13.10.1856, 2, 26.4.1857, 3; Neue Illustrierte Ztg. 22.3.1874, 2; Illustriertes Wr. Extrabl. 19.4.1878, 4; Die Presse 11.1.1879, 10; Wr. Allgemeine Ztg. 21.8.1883, 8; Grazer Tagbl. 27.1.1911, 4; Sterbebuch der IKG Wien 1784–1911, RZ 101469; Trauungsbuch der IKG Wien 1784–1911, RZ 402; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).


Sein Sohn

Karl (Carl): * 11.9.1865 Wien, † 23.6.1941 Wien. Cellist, Komponist, Pädagoge. Erhielt seinen ersten Cellounterricht vom Vater, mit dem er ab 1878 gemeinsam öffentlich auftrat. 1883–88 Studium am Konservatorium der GdM (Vorbildung bei K. Udel, Ausbildung ab 1885 bei R. Hummer). Das mehrfach kolportierte Studium der Harmonielehre bei A. Bruckner ist nicht belegbar. Nach Studienabschluss war er 1888–96 Prof. für Cello und Klavier an der MSch. der Philharmonischen Gesellschaft in Laibach, wo er auch konzertierte. Seit 1896 ist L. auch als Komponist nachweisbar, einige seiner Kirchenkompositionen wurden in Wien (St. Augustin, St. Michael, St. Salvator, Votivkirche), Baden und (Bad) Vöslau/NÖ aufgeführt. Ab 1897 Solocellist im Orchester des Carltheaters sowie sieben Jahre lang Mitglied der Kurkapelle Baden unter K. Komzak, später jener von (Bad) Vöslau. 1900–30 Mitglied (langjähriger Solocellist) des Wiener Konzertvereins (Wiener Symphoniker). Im Herbst 1907 spielte er im königlichen Kurorchester in Bad Kissingen/D. Darüber hinaus konzertierte L. bis etwa 1935 immer wieder in verschiedenen Kammermusikbesetzungen und veranstaltete während des Ersten Weltkriegs mehrere Benefizkonzerte, an denen er zum Teil auch selbst mitwirkte. Ab 1927 war er als Kammermusiker auch auf Radio Wien zu hören, einige seiner Kompositionen erklangen dort bis 1938. In den Ferien hielt er sich regelmäßig in Baden auf, wo immer wieder seine Kompositionen aufgeführt wurden. L. war auch als Musikpädagoge tätig und erteilte lange Jahre Privatunterricht. Außerdem unterrichtete er zumindest 1898/99 an der MSch. Morini. 1911 gab er im Verlag Friedrich Hofmeister in Leipzig/D Zwei Wiegenlieder für Cello und Klavier seines verstorbenen Vaters heraus. Seit 10.12.1899 verheiratet mit der Kaufmannstochter Bertha (eig. Blime) Uscier (* 25.5.1878 Wien, † ?).


Ehrungen
2. Preis beim Concours der GdM 1885; 1. Preis eines Kompositionswettbewerbs in Leipzig für sein Lied Erwartung 1896; Ehrenvolle Anerkennung beim Preisausschreiben der Österr. Musik- und Theaterztg. für das Lied Aus Liebe zur Kunst und für das Klavierstück Dem Muthigen gehört die Welt 1897; Ehrenmitglied der Vereinigung der Wiener Musiker 1931; Brucknerring der Wr. Symphoniker; Prof.-Titel.
Schriften
Reinhold Hummer in Österr. Musiker-Ztg. 8 (August 1933).
Werke
Kirchenmusik; Tänze; Märsche (König Ferdinand-Marsch); Kammermusik; Lieder; Chöre; Bearbeitungen.
Literatur
Riemann 1929; F-A 1936; Th. Stengel/H. Gerigk, Lex. der Juden in der Musik 1940; Pazdirek 1, Bd. L–M (1904), 179; Die Stunde 22.1.1926, 6; Neues Wr. Journal 13.4.1930, 23; Reichspost 1.7.1930, 8; Illustrirtes Wr. Extrabl. 19.4.1878, 4; Morgen-Post 17.4.1879, 4; NFP 23.11.1888, 6, 16.1.1894, 6, 12.9.1907, 11; Dillinger’s Reise- und Fremden-Ztg. 1.1.1897, 7; Badener Ztg. 18.8.1897, 4, 5.9.1924, 4, 24.5.1930, 5, 22.7.1931, 4, 14.10.1933, 3; Dt. Kunst- u. Musik-Ztg. 8 (1901), 94; Grazer Tagbl. 27.1.1911, 4; Wr. Morgenztg. 5.9.1926, 8; Österr. Musik- u. Theaterztg. 21 (1897), 8, 8 (1898), 14, 14 (1898), 12; Geburtsbuch der IKG Wien 1864–67, RZ 1539; Trauungsbuch der IKG Wien 1898–99, RZ 1090; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; Jahresberichte des Konservatoriums der GdM).


Seine Neffen

Max (get. Maximilian Franz, Pseud. Lassen): * 7.11.1850 Wien, † 22.6.1915 Wien. Pianist, Komponist, Pädagoge. Über seine erste Musikausbildung ist nichts bekannt, später war er Schüler von A. Rubinstein. Soll schon um 1864 eine Konzertreise durch Europa unternommen haben und hielt sich zwei Jahre lang als Virtuose und Klavierlehrer in Paris auf. Nach seiner endgültigen Rückkehr nach Wien war er als Pianist (großteils Mitwirkung bei Benefizkonzerten) und Klavierlehrer tätig. 1875 trat er bei zwei Konzerten seines Onkels unter seinem tatsächlichen Namen auf, später nur noch unter seinem Pseudonym. In den Sommermonaten unternahm er mit weiteren Künstlern und Künstlerinnen (u. a. F. Fischer) regelmäßig Tourneen durch zahlreiche Urlaubs- und Kurorte (u. a. [Bad] Ischl, [Bad] Vöslau, Klosterneuburg, Hinterbrühl/NÖ, Pöchlarn/NÖ, Gmunden, Salzburg, Mondsee), die von seinem Bruder Rudolf veranstaltet wurden. Darüber hinaus trat L. auch als Komponist an die Öffentlichkeit. Seine Kompositionen, von denen einige bei E. Berté und C. A. Spina gedruckt wurden, bildeten stets einen Teil seines Repertoires. Seine beiden Bühnenwerke blieben unaufgeführt. L. war außerdem auch als Korrespondent für auswärtige Zeitungen tätig. Seit 10.9.1882 verheiratet mit (Judith) Wilhelmine Pauline Dümlein (* 26.3.1860 Wien, † ?), die im Zuge der Eheschließung zum Judentum übertrat und mit der er zwei Töchter, Louise (* 2.9.1885 Wien, † nach 1922 [Ort?], 1922 offizielle Namensänderung in Lassen) und Maximiliana (* 4.12.1888 Wien, † 30.8.1965 Wien) hatte. Am 9.3.1891 trat er aus dem Judentum aus, ließ sich am 10.5.1891 katholisch taufen und heiratete nach katholischem Ritus (Taufpate und Trauzeuge: F. Fischer). Zwei Tage später wurden seine Töchter als Louise Pauline Katharina und Maximiliana Theresia Marie Wilhelmine getauft. Ähnlich wie sein Onkel scheint auch M. L. aufgrund seines Auftretens und der auffälligen Bekleidung ein stadtbekanntes Original gewesen zu sein.


Ehrungen
Ehrenmitglied verschiedener Musikvereine.
Werke
Oper Das Felsenkreuz auf Gibraltar; Operette Klosterbruder Paulus (T: M. L.) 1914; Klaviermusik (Scherzo op. 47, Nr. 1, gewidmet O. Dachs); Lieder (Vergiß die teure Mutter nicht, Ich liebe Dich, Mein Himmel, Waldesrauschen, Abschiedsschmerz, Nur du allein); Couplets.
Literatur
F. Jansa (Hg.), Dt. Tonkünstler in Wort und Bild 21911; Kosel 1902; Eisenberg 1893; Pazdirek 1, Bd. L–M (1904), 176, 186; Neues Wr. Journal 2.2.1897, 8, 12.2.1905, 3f; Neues Wr. Tagbl. 23.6.1915, 16, 18.11.1923, 8; Neues Wr. Abendbl. 23.5.1914, 7; Die Presse (Abendbl.) 22.1.1889, 2; Mödlinger Ztg. 13.8.1905, 2; Wr. Sonn- und Montags-Ztg. 18.9.1905, 8; Neuigkeits Welt-Bl. 28.1.1894, 13; ÖNB, Musikslg., zwei Briefe von M. L. an Ella Koleit 1906 (F 34 Fickert 800, mit Abb.en); Trauungsbuch der IKG Wien 1881–85, RZ 336; Taufbuch der Pfarre St. Elisabeth (Wien IV) 1891–92, fol. 36f; Trauungsbuch der Pfarre St. Elisabeth 1891–92, fol. 19; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; Bibliothekskataloge).


Rudolf (Pseud. Lassen): * 5.12.1853 Mödling/NÖ, † 9.4.1920 Wien. Impresario, Agent, Konzertveranstalter. Arbeitete spätestens ab 1885 als Impresario und Konzertveranstalter in Wien und veranstaltete in den Sommermonaten regelmäßig Konzerte in verschiedenen Kurorten (Baden, [Bad] Ischl, Gmunden), an denen oft auch sein Bruder Max teilnahm. Vermutlich Agent u. a. von seinem Bruder Max und von M. Mars. Trat 1897 aus dem Judentum aus und zum katholischen Glauben über. Seit 21.6.1898 verheiratet mit Rosina, verwitwete Eisenwagner, geb. Brammer (* 18.11.1858 Horn/NÖ, † 2.5.1924 Wien), deren unehelichen Sohn Oscar Franz (* 9.6.1887 Wien) er 1906 adoptierte.


Literatur
Die Presse 28.6.1887, 11; Ischler Wochenbl. 9.8.1903, 7; Die Zeit 24.3.1907, 9; Badener Ztg. 28.7.1909, 6; Taufbuch der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube (Wien VI) 1894–97, fol. 218; Trauungsbuch der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube 1894–98, fol. 174; Taufbuch der Pfarre St. Othmar unter den Weißgerbern (Wien III) 1887–88, fol. 60; Sterbebuch der Pfarre St. Elisabeth (Wien IV) 1924, 58; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; www.genteam.at; Lehmanns Adresskalender).

Autor*innen
Monika Kornberger
Matthias Guschelbauer
Letzte inhaltliche Änderung
18.1.2023
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger/Matthias Guschelbauer, Art. „Lasner, Familie“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 18.1.2023, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x003dbbb9
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Karl Lasner (Die Stunde 22.1.1926, 6)© ANNO/ÖNB
Karl Lasner (Der Wr. Tag 10.10.1931, 12)© ANNO/ÖNB
Max Lassen (F. Jansa [Hg.], Dt. Tonkünstler in Wort und Bild 21911, 316)

DOI
10.1553/0x003dbbb9
GND
Lasner, Ignaz: 1256803715
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Lasner, Karl: 1299047521
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Lasner, Max: 1299579876
OBV
Weiterführende Literatur

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