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Schauspielhäuser
Veranstaltungsorte für Schauspielaufführungen. Seit dem 18. Jh. entstanden „höfisch-öffentliche“ und „bürgerliche“ Theaterbauten. Waren die höfisch-öffentlichen Theater meist nicht-autonome, einem größeren Baukomplex an- und eingepasste Gebäude, so entstanden die bürgerlichen Theater als autonome Gebäude an exponierter Stelle, nach 1880 in Entsprechung der feuerpolizeilich vorgeschriebenen Freistellung des Theaterbaus. Gleichzeitig wandelte sich das Schauspiel als Teil religiöser oder politischer Rituale zur dominierenden Form kreativer und künstlerischer Betätigung. Theatergebäude bildeten das Zentrum einer musikalisch und literarisch interessierten bürgerlichen Gesellschaft. Städtebaulich sind sie als Monumentalbauten mit bildersprachlich verzierten Fassaden kenntlich. Einzelne Architekturbureaus spezialisierten sich auf den Theaterbau. Führend war ab 1873 das gemeinsame Bureau der Architekten F. Fellner & H. Helmer, v. a. in Mittel- und Südosteuropa. In Wien erbauten sie das Stadttheater, das Volkstheater, das Ausstellungstheater der Internationalen Ausstellung für Musik und Theaterwesen sowie das Wiener Konzerthaus mit dem Akademiegebäude; außerdem das Stadttheater (heute Opernhaus) Graz, das Stadttheater (heute Landestheater) Salzburg, die Stadttheater Baden und Klagenfurt sowie das Theater in Berndorf/NÖ. Sie passten einen elaborierten Grundtyp den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten (Fassungsraum, Platzeinteilung, Situation und Geldmittel) an. Mit Rückgriffen auf historische Stile entwickelten sie eine einheitliche Formensprache mit Stuckverzierungen und Rot-Gold-Farbgebung im Innenraum.

Die noch heute gültige Form des Theaterbaus, die Guckkastenbühne, wurde an den italienischen Fürstenhöfen der Renaissance entwickelt und blieb vier Jh.e die beherrschende klassische Bühne des Abendlandes. Reformbestrebungen setzten im 19. Jh. in Hinblick auf die ideale Form des Zuschauerraumes und eine Alternative zur Kulissenbühne ein. Ab 1.7.1882 Einführung der österreichischen Theaterbaugesetze, die sicherheitstechnische Standards (Eiserner Vorhang) aus dem Ringtheaterbrand (8.12.1881) entwickelten, für den Wirkungsbereich Österreich-Ungarn vorschrieben und bis heute (2005) grundsätzlich wirksam blieben.




Wien: Im 16. Jh. adaptierte man Säle in öffentlichen Gebäuden, in der Hofburg und in den Kollegien der Jesuiten für Theateraufführungen (Jesuitendrama). Später wurden provisorische hölzerne Theater (Favorita), in der Hofburg ein großes Hoftheater (1700–44) errichtet (Redoutensäle). Das erste städtische Schauspielhaus war das 1708 erbaute Theater nächst dem Kärntnertor (Kärntnertortheater), das ebenso wie das 1741 zum Theater adaptierte Ballhaus nächst der Burg (Burgtheater) öffentlich, sparten- und sprachenübergreifend bespielt wurde. Im 18. Jh. entstanden durch die „Spektakelfreiheit“ Privattheater, wie das 1788 eröffnete und bis heute bespielte Theater in der Josefstadt, 1785 das Freihaustheater, das, ab 1801 durch den Neubau des Theaters an der Wien ersetzt wurde. 1781 eröffnete das Theater in der Leopoldstadt, das ab 1847 abgerissen, durch das Carltheater (bis 1929) ersetzt wurde.

Im 19. Jh. wurden bis zum Ersten Weltkrieg zahlreiche Bürgertheater nach Vorbild des klassischen höfischen Theaters errichtet. 1869 Eröffnung der Hofoper (Staatsoper). Dem in jahrzehntelanger Bauzeit errichteten Hofburgtheater auf der Ringstraße (1888) entstanden Konkurrenzbühnen wie das Stadttheater (1871, Ronacher), das Ringtheater (1873–81, abgebrannt) und das Volkstheater (1889). 1898 wurde das Kaiser-Jubiläums-Stadttheater (Volksoper), 1914 die Studiobühne der Akademie (seit 1922 Akademietheater) eröffnet. Holzbauten, wie das Thaliatheater (1856–70), das Treumanntheater am Franz-Josefs-Kai (1860–63, abgebrannt) verloren ihr Publikum und wurden demoliert. Das Internationale Ausstellungstheater (1892) bei der Rotunde, ebenfalls ein Holzbau, wurde nach Beendigung der Ausstellung abgetragen. Das Apollotheater (1904) wurde 1929 zum ersten großen Wiener Tonfilmtheater umgebaut.

Zahlreiche Bühnen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr bespielt und nach vorübergehender anderweitiger Nutzung (als Fernseh- und Radiostudios) abgerissen: Bürgertheater (1905–60), Stadttheater in der Laudongasse (1912–61), Harmonietheater in der Wasagasse (1866–1928), Straußtheater, später Scala in der Favoritenstraße (1908–59). In den 1950er Jahren etablierten sich zahlreiche kleine Theater in Kellerbühnen. Durch vermehrte städtische Kulturförderung in den 1970er Jahren entstanden aus adaptierten (Kino-)Sälen bis heute (2005) bespielte Kleinbühnen, wie die Freie Bühne Wieden (1976) und das Schauspielhaus (1978). 1988 eröffnete das Serapionstheater das Odeon in der umgebauten Börse für landwirtschaftliche Produkte. Seit 2001 stehen im Museumsquartier die Hallen E + G (ehem. Winterreithalle der barocken Hofstallungen) u. a. für die Wiener Festwochen , das Tanzquartier und das Impuls Festival als Spielstätten zur Verfügung; 2004 hat das Dschungel Kindertheater seinen Spielbetrieb aufgenommen.

St. Pölten: Mit dem Stadttheater wurde 1820 ein erstes ständiges Theater in der Stadt eröffnet. Da es 1881 den verschärften Sicherheitsauflagen nicht mehr genügte, wurde es abgerissen und 1893 durch einen Neubau auf demselben Bauplatz ersetzt (Rathausplatz 11), ab 2005 als Schauspielhaus Niederösterreichs mit dem 1997 eröffneten Festspielhaus (Kulturbezirk 2) dem Land unterstellt. Dort stehen vier variable Säle für Tanzveranstaltungen, Konzerte, Musik- und Sprechtheater zur Verfügung (Arena und Guckkastenbühne).

Salzburg: Das Landestheater (Schwarzstraße 22) steht auf dem Platz eines 1775 von Fürsterzb. H. Colloredo im Ballhaus errichteten Logentheaters, das unter verschiedenen Titeln als kurfürstliches Theater (1803) und k. k. Nationaltheater (1808) bespielt, 1892 in den Besitz des Stadtmagistrats gelangte und abgerissen wurde. 1893 wurde der als neues Stadttheater im neobarocken Stil erbaute Neubau eröffnet, Innenrenovierung und Fassadenerneuerung 1939, Umbenennung in Landestheater 1940. Im benachbarten neobarocken Mirabellkino (Schwarzstraße 24) erhielt das Salzburger Marionettentheater 1971 ein eigenes Gebäude (Puppentheater). Das im Petersbrunnhof errichtete Schauspielhaus Elisabethbühne verfügt als „größtes freies Ensembletheater“ über zwei Spielstätten. Neben dem seit 1925 mehrfach umgebauten Kleinen Festspielhaus und dem 1960 eröffneten Großen Festspielhaus stehen den Salzburger Festspielen seit 1992 auch die Saline Perner-Insel, Hallein und das 2001 zum republic umgebaute Stadtkino zur Verfügung.

Graz: Das erste Theatergebäude, ein einfacher Holzbau, wurde 1736 am heutigen Tummelplatz für die italienische Truppe P. Mingottis errichtet. 1776 wurde das Landständische Theater (1823 abgebrannt) eröffnet, an dessen Stelle 1825 das Schauspielhaus am heutigen Freiheitsplatz erbaut. Das 1899 eröffnete Stadttheater (heute Opernhaus) steht auf dem Platz eines 1830 errichteten Zirkusgebäudes, das 1863 in ein Theater (Thaliatheater) umfunktioniert worden war.

Linz: 1752 wurde ein zum Komödienhaus umgebauter Stadl an der Donau eröffnet, der 1761 ausgebaut, wegen seiner Lage an der Donau auch „Wassertheater“ genannt und 1786 durch Überschwemmung verwüstet wurde. 1788 eröffneten die zum Logentheater umgebautenRedoutensäle. Am 4.10.1803 wurde der Neubau des Linzer „landständischen Nationaltheaters“ nach dem Vorbild des Theaters an der Wien eröffnet, Umbau 1940, Bombenschäden 1945. Das bis heute als Mehrspartenhaus geführte Landestheater (Promenade 39) mit vier Spielstätten (großes Haus, Kammerspiele [1942], Eisenhand und u/hof [=Ursulinenhof]) soll nach der Errichtung des Linzer Opernhauses (2009/10) zum Schauspielhaus umgebaut werden. Seit 1998 Phönix Theater mit Off-Produktionen.

Innsbruck: Auf dem Platz des heutigen Landestheaters wurde bereits 1653 ein Komödienhaus erbaut, 1765 renoviert, 1846 durch einen Neubau ersetzt, seit 1945Tiroler Landestheater (Rennweg 2). Für junges Theater und Gastspiele steht seit 1986 das dem Globe Theatre in London nachempfundene Treibhaus-Theater im Turm zur Verfügung.

Bregenz: Ab 1818–59 Bespielung des für Theateraufführungen adaptierten Schlachthauses durch Wandertruppen, 1864 Renovierung auf Betreiben einer Dilettantengesellschaft, 1878 Installierung der Gasbeleuchtung, 1882 sicherheitstechnische Adaptierungen, 1900 Abbruch. 1902 Baubeginn eines Amtsgebäudes auf dem Theaterplatz. Das Landestheater Bregenz ist heute in einem 1838 als Kornhaus errichteten, 1951/55 zum Theater adaptierten Bau untergebracht, Sitz des 1946 gegründeten Theaters für Vorarlberg, Renovierung 1994. Neben der Bodenseebühne und dem großen Festspielhaus (1980), der Kombination eines geschlossenen Festspielhauses mit einer Freilichtarena, ist das Theater am Kornmarkt auch Spielstätte der 1946 gegründeten Bregenzer Festspiele .

Klagenfurt: 1737 entstand aus dem ehemaligen Ballhaus ein kleines Theater mit Galerien, 1810 Renovierung und Umbau, 1868 Überführung ins Eigentum der Stadtgemeinde, 1908 abgetragen. 1910 wurde der Stadttheater-Neubau der Architekten Fellner und Helmer im Empire-Stil eröffnet, Zubauten 1963, 1998 Eröffnung des renovierten und erweiterten Hauses. Seit 2004 steht dem 1979 gegründeten Klagenfurter Ensemble mit dem Kunsthaus Sirius eine eigene Spielstätte zur Verfügung.




Von den zahlreichen kleineren Stadttheatern, die (wie Leoben 1790, Wiener Neustadt 1794, Steyr 1796) Ende des 18. Jh.s in aufgelassenen Kirchen, in Rathaussälen oder Getreidespeichern eingerichtet wurden, ist das Stadttheater Grein /OÖ (1791) noch im Originalzustand erhalten. Bis zum Ersten Weltkrieg erhielten weiters Bad Ischl (1827), Wels (1828–1904), Gmunden (1872), Berndorf (1898), Bruck an der Leitha/NÖ (1904), Mödling (1913) und Baden Stadttheater. Das Theater Reichenau/NÖ (1926) ist seit 1988 Sitz der Festspiele Reichenau. 1982 wurde das Theater am Saumarkt in Feldkirch eröffnet. 1986 eröffnete das Wald4tler Hoftheater in einem 100-jährigen aufwendig restaurierten Bauernhof bei Pürbach/NÖ. Das Theater im Gugg in Braunau (1989) spielt in der adaptierten Gugg’schen Feuerlöschfabrik. 1991 Umbau des Schwechater Kinos zum Theater, seit 2001 als Theater Forum Schwechat/NÖ. 1998 Eröffnung des TAM-Theaters an der Mauer in Waidhofen an der Thaya/NÖ. 2002 Eröffnung der neuebuehne in der Villacher Altstadt.


Literatur
G. Dienes (Hg.), Fellner & Helmer 1999; Hadamowsky 1988; Czeike 1–5 (1992–97); F. Fuhrich, Theatergesch. Oberösterreichs im 18. Jh. 1968; F. Fuhrich, Theatergesch. Vorarlbergs von den Anfängen bis zum Beginn des 20. Jh.s 1986; K. Fleischmann, Das steirische Berufstheater im 18. Jh. 1974; U. Simek, Das Berufstheater in Innsbruck im 18. Jh. 1992; E. Fuhrich/G. Prossnitz, Die Salzburger Festspiele 1990; E. Bär, Spiel auf dem See. Die Bregenzer Festspiele 1984; O. Rudnan, Das ständische Theater in Klagenfurt 1973; H. Wimmer, Das Linzer Landestheater 1803–1958, 1958; J. Wallegger, 100 Jahre Brucker Stadttheater 2004; A. Haider, Gesch. des Stadttheaters St. Pölten v. 1820–1975, 1978; A. Dier, Gesch. des Stadttheaters v. St. Pölten v. 1975 bis 1991, 1993; L. Hochstraate, 100 Jahre Haus am Makartplatz 1993; M. Klügl, Promenade 39, 2003; 50 Jahre Theater in Österreich. Verzeichnis der Inszenierungen 1945–1995, hg. v. der Arge Theadok 2003 (CD-Rom).

Autor(en)
Elisabeth Großegger
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Großegger, Art. „Schauspielhäuser‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]