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Konzertsäle
Veranstaltungsorte für (vorwiegend) musikalische Aufführungen. Mit dem tiefgreifenden Wandel im musikalischen Denken um 1800 und im Musikleben ging der Übergang vom adeligen Musikleben zu einem bürgerlich-kommerzialisierten Konzertwesen (bürgerliche Musikkultur) einher: in London waren bereits um 1700 erste Konzertgesellschaften entstanden, ab 1775 gab es eigene Konzerträume am Hannover Square; in Leipzig/D wurden ab 1736 wöchentliche Konzerte im Zimmermannschen Kaffeehaus veranstaltet, 1781 wurde der Gewandhaussaal eröffnet; in Hamburg/D wurde 1761 der erste Konzertsaal Deutschlands eröffnet und in Frankfurt a. M./D etablierte sich bereits im 18. Jh. ein öffentliches Konzertwesen. In Österreich hingegen wurden erst relativ spät eigene K. gebaut.

Wien

In Wien begnügte man sich zunächst mit der Adaptierung von Sälen in öffentlichen Gebäuden, Hotels und Gaststätten. Im 17. Jh. wurde selbständige Instrumentalmusik in Privatkapellen (der Schwarzenberg, Liechtenstein, Thun, Lobkowitz, Kinsky, Grassalkovic, Esterházy, Sachsen-Hildburghausen usw.; Adelskapellen) und Dilettantenkreisen bei Konzerten in Privathäusern gepflegt. Bei Hof fanden Tafelmusiken und Serenaden statt. Öffentlich zugängliche musikalische Akademien mit Oratorien und Kantaten fanden in den Hoftheatern jeden Freitag, an Feiertagen und während der Fastenzeit statt. Erst gegen Ende des 18. Jh.s wurde ein öffentliches Konzertwesen begründet, das zunächst unter der Verwaltung der Hoftheater als Ergänzung zum regulären Spielbetrieb stattfand.

1771 gründete F. L. Gaßmann die Tonkünstler-Sozietät, die älteste organisierte Musikgesellschaft und das erste öffentliche Konzertinstitut mit regelmäßigen Veranstaltungen, die gegen Entgelt für jedermann zugänglich waren. Im ersten Konzert am 29.3.1772 im Kärntnertortheater wurde Gaßmanns Betulia liberata aufgeführt. In der Folge fanden Akademien, Oratorienaufführungen und sog. „gemischte“ Akademien auch im Burgtheater und im Theater an der Wien statt. Reisende Virtuosen traten in Zwischenakten auf. Es fanden Gartenkonzerte im Augarten (bis Ende der 1820er Jahre, dann nur noch am 1. Mai), im Belvedere, auf der Bastei etc. statt, weiters musikalische Darbietungen in Wirtshäusern, z. B. in der „Mehlgrube“ (Wien I, Neuer Markt), im Lokal des Hoftraiteurs Jahn (Wien I, Himmelpfortgasse), im Saal „zum römischen Kaiser“ (Wien I, Freyung).

Mit der 1812 erfolgten Gründung der Gesellschaft der Musikfreunde (Musikverein) etablierte sich ein regelmäßiger Konzertbetrieb, der zunächst im Haus „zum roten Apfel“ (Wien I, Singerstraße), ab 1820 im „Gundelhof“ (heute Wien I, Ecke Bauernmarkt/Brandstätte), dann im Haus „Zum roten Igel“ (Wien I, Tuchlauben 12) untergebracht war, wo sich Konservatorium, Archiv, Museum und ab 1831 auch ein Konzertsaal befanden („neuer Saal unter den Tuchlauben“).

Weitere K. des 19. Jh.s. waren die Winterreitschule für Oratorienkonzerte und später für die großen Musikfeste der Gesellschaft der Musikfreunde, die Augustinerkirche (Wien I) für Concerts spirituels, der Landständische Saal (Wien I, Herrengasse) für Kammermusikabende, Aufführungen großer Chorwerke und Concerts spirituels bis 1832, der große und kleine Redoutensaal, der Festsaal der Univ. (Aula der alten Univ.), die Hoftheater sowie die Vorstadttheater für Morgen-, Mittags- und Nachmittagskonzerte.

Mit dem Aufstieg der Klavierproduktion und der großen Anzahl von in Wien ansässigen Klavierbauern entstanden auch zahlreiche K., sog. Klaviersalons (Bösendorfer, Haslinger, Schweighofer, Streicher). Der 1872 eröffnete Bösendorfersaal (Wien I, Herrengasse, in der ehemaligen Reitschule des Palais Liechtenstein) stand bis 1913 v. a. für Kammermusikproduktionen zur Verfügung und zeichnete sich durch eine außerordentliche Akustik aus.

Mit dem 1870 eröffneten, von Theophil Hansen erbauten neuen Musikvereinsgebäude (Wien I, Bösendorferstraße) waren zwei K., (darunter der Große Musikvereinssaal), Konservatorium und Vereinshaus der Gesellschaft der Musikfreunde in einem repräsentativen Gebäude untergebracht, das bis heute maßgeblich für das Wiener Musikleben ist.

Zu Beginn des 20. Jh.s. bestand durch die gestiegene Einwohnerzahl die Notwendigkeit eines zweiten Konzerthauses für Wien. Das von F. Fellner und H. Helmer im modernisierten Empirestil erbaute Wiener Konzerthaus wurde 1913 eröffnet, dient (mit derzeit 4 Sälen) für Musik- und Gesellschaftsveranstaltungen und beherbergt Institutionen der Universität für Musik, die Wiener Singakademie u. a.

Der große Sendesaal des Österreichischen Rundfunks im 1937 von C. Holzmeister erbauten Funkhaus (Wien IV, Argentinierstraße 30a) stand zunächst hauptsächlich für Rundfunkproduktionen zur Verfügung, seit 1997 dient er unter dem Namen „Radiokulturhaus“ für diverse musikalische Veranstaltungen. 1953 wurde die von Roland Rainer geplante Stadthalle (Wien XV, Vogelweidplatz 14) eröffnet, die als Mehrzweckhalle für politische, religiöse, kulturelle und sportliche Veranstaltungen dient.

St. Pölten

Als K. dienen die ehemalige Synagoge (Dr. Karl Renner-Promenade 22), die Stadtsäle (Völklplatz 1), das Theater der Landeshauptstadt (Rathausplatz 11) und das Veranstaltungszentrum St. Pölten (Kelsengasse 9). Mit der Eröffnung des Festspielhauses 1997 begann für St. Pölten eine neue kulturelle Ära. Vier Säle stehen für Tanzveranstaltungen, Konzerte, Musik- und Sprechtheater zur Verfügung. Es beherbergt auch die abcdance company und das Niederösterreichische Tonkünstlerorchester.

Linz

Das öffentliche Musikleben des 17. und 18. Jh.s betrieben die Thurnermeister und ihre Gehilfen. Im 18. Jh. wuchs das Interesse der bürgerlichen Bevölkerung am öffentlichen Musik- und Theaterbetrieb, mit Ende des Jh.s begann sich auch ein öffentliches Konzertwesen abzuzeichnen. Virtuosenkonzerte und Akademien fanden im ständischen Theater statt, so trat etwa 1783 W. A. Mozart dort auf. Als K. diente auch der ständische Redoutensaal, der seit der 2. Hälfte des 18. Jh.s über dem Restaurant des Theaters bestand. Pioniere der bürgerlichen Musikpflege waren F. X. Glöggl und Ant. Mayer. Mit der 1821 von Mayer gegründeten Gesellschaft der Musikfreunde (später Linzer Musikverein) setzte ein geregeltes Konzertleben sowie organisierter Musikunterricht ein. Öffentliche (Oratorien-)Konzerte fanden im Theater statt, Proben und „Gesellschaftskonzerte“ im Redoutensaal, vielfach verstärkt durch die 1845 gegründete Liedertafel „Frohsinn“.

Seit 1828 gab es Militärkonzerte im von Urfahraner Cafetier Bartholomäus Festorazzi als Vergnügungspark angelegten Volksgarten, wo auch bürgerliche Zusammenkünfte und Tanzveranstaltungen stattfanden. 1903 wurde im Volksgarten ein neuer Saal errichtet, der für politische Versammlungen, aber auch für Großkonzerte diente und 1945 zerstört wurde.

Die 1865 erbaute und 1877 erweiterte städtische Volksfesthalle war Schauplatz von Großkonzerten im letzten Drittel des 19. Jh.s und wurde schließlich vom neuerbauten Volksfestsaal verdrängt.

Der 1868 gegründete Kaufmännische Verein stellte seinen 1892 erbauten Saal für verschiedenste Zwecke des öffentlichen Lebens (Konzerte, Festlichkeiten, Vorlesungen, gesellige Unterhaltungen) und als repräsentativer Festsaal zur Verfügung. Er war bis zur Eröffnung des Brucknerhauses der bevorzugte Linzer Konzertsaal.

Weitere K. waren die 1902 erbaute Südbahnhofhalle mit einem Fassungsraum für 5000 Personen, der steinerne Saal des Landhauses sowie die sog. Diesterweghalle, eine 1929/30 adaptierte Turnhalle der Diesterwegschule. Der Rathausfestsaal wurde ab 1941 als Kammermusiksaal genutzt. Durch die Kriegszerstörungen wurden v. a. Schulsäle in den Nachkriegsjahren als K. genützt.

Das lange geplante Projekt eines Konzerthauses für Linz konnte mit dem 1974 eröffneten Brucknerhaus (Architekt: Heikki Siren) verwirklicht werden. Es stehen drei Säle für Konzerte, Konferenzen und Symposien sowie für das Internationale Brucknerfest zur Verfügung.

Salzburg

Bereits im 17. Jh. wurde die Aula Academica der Univ. als Konzertsaal verwendet, 1767 wurde im Rittersaal der Residenz W. A. Mozarts Schuldigkeit des ersten Gebots aufgeführt. Nach der Säkularisierung des Fürstentums (1803) verfiel Salzburg in kulturelle Bedeutungslosigkeit. Das Bürgertum übernahm diese Aufgabe. Erst mit der Gründung des Dom-Musik-Vereins 1841 begann sich das musikalische Leben zu entwickeln. 1877–1910 veranstalteten die Internationale Mozart-Stiftung bzw. die Internationale Stiftung Mozarteum acht Salzburger Musikfeste, die als Vorläufer der Salzburger Festspiele gelten können. 1881 eröffnete die Internationale Stiftung Mozarteum ein Konzertinstitut, 1910–14 wurde schließlich ein Gebäude im Münchner Jugendstil erbaut, in dem Unterrichtsräume, Musikbibliothek und zwei K. zur Verfügung stehen. In den 1920er Jahre veranstaltete B. Paumgartner Mozartserenaden in der Felsenreitschule und in der Residenz. Mit der Gründung der Salzburger Festspiele ging auch die Schaffung neuer Spielstätten einher. 1926 wurde das Festspielhaus offiziell bezogen, weiters fanden Serenaden im Großen Saal des Mozarteums und in der Residenz sowie Oratorienaufführungen in der Kollegienkirche statt. Das 1960 erbaute Neue (Große) Festspielhaus steht auch für Konzertreihen zur Verfügung. Die Salzburger Schlosskonzerte mit Kammermusik finden in der Residenz und im Schloss Mirabell statt. Seit 1979 werden Salzburger Festungskonzerte im Fürstensaal der Festung Hohensalzburg veranstaltet.

Innsbruck

Um die Mitte des 18. Jh. veranstalteten adelige Dilettanten mit Unterstützung von Berufsmusikern Hauskonzerte. Das 1799 von Wenzel Graf Spaur gegründete bürgerliche Stadtcasino diente der Musikpflege. Mit dem 1818 gegründeten Musikverein institutionalisierte sich das Musikschul- und Konzertwesen. Die Konzerte des Musikvereins im Redoutensaal wurden ab 1947 als Konzerte der Stadt Innsbruck weitergeführt. Da nach dem Zweiten Weltkrieg ein entsprechenderKonzertsaal fehlte, fanden Konzerte im Bibliothekssaal der Alten Univ., im Musikvereinssaal oder im Landestheater statt. Der 1955 wiederaufgebaute Stadtsaal hatte allerdings eine schlechte Akustik, sodass erst mit dem Bau des Kongresshauses 1969 ein geeigneter Raum zur Verfügung steht. Seit 1963 finden außerdem die Ambraser Schlosskonzerte statt.

Bregenz

Mit der Gründung einer Gesangsschule (1814) und der Eröffnung eines Theaters (1818) entwickelte sich das bürgerliche Musikleben. In Bregenz stationierte Militärmusikkapellen bestimmten das kulturelle Leben der Stadt. 1907 wurde eine Gesellschaft der Musikfreunde gegründet. Seit den 1980er Jahren finden öffentliche Konzerte im Pavillon am See statt. Mit dem 1982 eröffneten Festspielhaus (Bregenzer Festspiele) steht auch ein geeigneter Konzertsaal zur Verfügung.

Klagenfurt

Zunächst diente ein Ballhaus für musikalische und gesellschaftliche Veranstaltungen, nach der Demolierung durch die Franzosen 1809 das Landhaus. Im Laufe des 19. Jh.s erhielten auch einige Gaststätten Festsäle. Durchreisende Virtuosen traten in Musikalischen Akademien im Landhaussaal und im 1810 errichteten Ständischen Theater auf. Mit der Gründung des Musikvereins für Kärnten 1828 entwickelte sich das öffentliche Konzertleben. Unter der Leitung von Josef Reiter konnte 1900 das neue Musikvereinsgebäude (Mießtaler Straße 8) mit einem repräsentativen K. eröffnet werden. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges wurde die Konzerttätigkeit 1947 wieder aufgenommen und konnte das Konzerthaus 1952 wieder eröffnet werden, das nun als Veranstaltungs- und Unterrichtsgebäude diente. 1973–85 fanden Schlosskonzerte in der Umgebung von Klagenfurt statt.

Graz

Öffentlich zugängliche Konzertveranstaltungen werden 1752 erstmals erwähnt. Während der Fastenzeit fanden musikalische Akademien im Theater, Ende des 18. Jh.s regelmäßige Konzertveranstaltungen von November bis Ostern im Landhaus statt. Mit der Gründung des Musikvereins für Steiermark 1815 erhielt die öffentliche Musikpflege einen festen Rückhalt. Aufführungsorte waren das Faydeneggsche Haus (Burggasse 6), der Rittersaal im Landhaus und der Redoutensaal im Theatergebäude. Für die private Musikpflege war u. a. der Salon Pachler von Bedeutung. Volkstümliche Konzert fanden im Ott’schen Garten, in der bürgerlichen Schießstätte, im Pferschyschen Garten und im Salon zum Elephanten statt. 1885 wurde der Stephaniensaal der Steiermärkischen Sparkasse eröffnet. Seit 1908 gibt es einen Kammermusiksaal im selben Gebäude. Um die Jh.wende diente das Stadttheater auch für Konzerte. 1902 fand das 6. Deutsche Sängerbundesfest in einer eigens erbauten Sängerhalle für 15.000 Sänger statt.

Eisenstadt

Seit den 1820er Jahren wurde in bürgerlichen Häusern Hausmusik gepflegt, zu nennen sind hier Ludwig Hofer und Michael Mayr. In der 2. Hälfte des 19. Jh.s war das Musikleben in der Hand des Bürgertums.

Mit der 1987 erfolgten Gründung des Vereins Burgenländische Haydnfestspiele (Haydn-Festivals) finden seit 1989 jeweils im September Konzerte im Haydn-Saal des Schlosses Esterházy statt.


Literatur
E. Tervooren, Musikalischer Reiseführer Österreich 1997; Czeike 1–5 (1992–97); E. Hanslick, Gesch. des Concertwesens in Wien 1869; H. Ullrich in Jb. des Vereins für Gesch. der Stadt Wien 28 (1972), 106–103; A. M. Hanson, Die zensurierte Muse 1987; M. Handlos, Studien zum Wiener Konzertleben im Vormärz, Diss. Wien 1985; St. Weinzierl, Beethovens Konzerträume 2002; O. Wessely in Jb. der Stadt Linz 1950 (1951); O. Wessely in Jb. der Stadt Linz 1953 (1954); E. Schmutz in Jb. der Stadt Linz 1989 (1990);Salzburger KulturL 2001; E. Hintermaier in H. Dopsch/H. Spatzenegger (Hg.), Gesch. Salzburgs II/3 (1991); R. Angermüller (Hg.), Bürgerliche Musikkultur im 19. Jh. in Salzburg 1981; Ch. Raabe/K. Festern, Spaziergänge durch Mozarts Salzburg 2000; MGG 4 (1996) [Innsbruck]; J. Höpfel, Innsbruck – Residenz der alten Musik 1989; G. Mayr, Das Innsbrucker Sinfonieorch. 1946–2001, Dipl.arb. Innsbruck 2001; G. Antesberger, Klagenfurter Musikleben in der 1. Hälfte d. 19. Jh.s 1978; W. Wadl/A. Ogris (Hg.), [Fs.] 175 Jahre Musikverein für Kärnten 2003; MGG 3 (1995) [Graz]; E. Eisbacher, Das Grazer Konzertleben von 1815 bis März 1839, Diss. Graz 1956; 50 Jahre K. der steiermärkischen Sparkassen in Graz [1958]; A. Csatkai in Mitt. des Burgenländ. Heimat- und Naturschutzvereins 5 (1931); E. Schneider, Musik in Bregenz einst und jetzt 1993.

Autor(en)
Andrea Harrandt
Empfohlene Zitierweise
Andrea Harrandt, Art. „Konzertsäle‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 05/06/2003]