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Universal Edition (UE)
1901 von den Musikverlegern Jos. Weinberger, A. Robitschek und B. Herzmansky sen. gegründeter Musikverlag mit Sitz in Wien (zunächst im Verlag von Jos. Weinberger, Maximilianstraße 11 [Wien I], ab Ende 1911 in der Reichsratsstraße 9 [Wien I] und seit 1914 im Musikvereinsgebäude am Karlsplatz [Wien I]) und Zweigniederlassungen in London und New York/USA. Der Verlag wurde mit dem von Bankkreisen und dem k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht unterstützten Zweck gegründet, die österreichisch-ungarische Monarchie unabhängiger von (v. a. deutschen) Notenimporten zu machen. Deshalb standen zunächst insbesondere Klassikerausgaben und Unterrichtsliteratur auf dem Programm, aber bereits auch Werke von Komponisten der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart. Durch Verlagserwerbungen (Aibl, Otto Maas, A. J. Gutmann, Blaha) und Vertragsabschlüsse mit anderen Verlagen erhielt man in den folgenden Jahren die Rechte an Werken bedeutender Komponisten (von Aibl u. a. R. Strauss, Max Reger und F. v. Suppè). Den Notendruck besorgte die Firma Waldheim-Eberle.

Mit der Berufung E. Hertzkas zum Direktor 1907 – er hatte diese Stellung bis zu seinem Tode 1932 inne – wandelte sich die UE zu einem führenden Verlag für neue Musik. 1910 wurde H. Winter kaufmännischer Direktor, 1923 H. Heinsheimer Leiter der Bühnenabteilung. Weitere Mitarbeiter waren A. Kalmus, der 1924–27 vorübergehend ausschied und den Wiener Philharmonischen Verlag gründete, den er nach seinem Wiedereinstieg in die UE einbrachte, A. Schlee und E. Roth. Nach Hertzkas Tod bildeten Winter, Heinsheimer und Kalmus das neue Direktorium, seine Witwe Y. Hertzka war im Verwaltungsrat. Von der Emil-Hertzka-Stiftung wurde ein Kompositionspreis ausgeschrieben, der 1933 an Roberto Gerhard, 1934 an J. M. Hauer, 1936 an V. Ullmann und 1937 an H. E. Apostel und Karl Amadeus Hartmann verliehen wurde. Eine auszeichnende Anerkennung erhielten 1934 Luigi Dallapiccola und Paul Dessau.

Unter dem Druck der politischen Verhältnisse verließ Kalmus 1936 Wien und gründete im selben Jahr die UE London, Heinsheimer emigrierte 1938 (Exil). Winter wurde von den Nationalsozialisten entlassen, und die v. a. jüdischen Aktionäre mussten ihre Anteile billigst verkaufen. Den Verlag übernahm zunächst als „kommissarischer Verwalter“ E. Geutebrück. 1940 wurde kurzzeitig an Wilhelm Strecker (1884–1958), dem Inhaber der Firma B. Schott’s Söhne verkauft, und dann an Johannes Petschull (1901–2001), der ab 1939 auch Geschäftsführer und Miteigentümer des Leipziger Verlags C. F. Peters war. A. Schlee bemühte sich in dieser Zeit, den Kontakt zu den Komponisten aufrecht zu erhalten und konnte gemeinsam mit G. v. Einem die Beschlagnahme von Manuskripten verhindern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die UE zunächst unter öffentlicher Verwaltung, seit 1951 ist sie wieder als Aktiengesellschaft eingerichtet. Im Vorstand waren zunächst Kalmus, Schlee und Ernst Hartmann (1903–70), in den nächsten Jahren folgten oder kamen hinzu: Stefan Harpner und Johann Jurek (1963), Margherita Kalmus (1972), Trygve Nordwall (1985), Hans Musser (2002). Seit 2004 wurde das Unternehmen von Juranek, Musser, Astrid Koblanck und Robert Thompson geleitet, heute (2015) von Juranek, Koblanck und Stefan Ragg (seit 2006). Die UE vertritt in Österreich eine Reihe bekannter Musikverlage (u. a. Schott Musik International, BMG Ricordi , European Music Corporation, Warner Brothers).

Der Katalog umfasst mittlerweile mehr als 32.000 Werke. Mit zahlreichen zeitgenössischen Komponisten wurden Verträge abgeschlossen, darunter auch vielen österreichischen Vertretern der modernen und neuen Musik, u. a. mit G. Mahler, A. Schönberg, F. Schreker, Max Reger, R. Strauss (1909), Alfredo Casella, A. Mahler, V. Novák, A. Zemlinsky, E. W. Korngold (1912), C. Goldmark, F. Weingartner (1913), Fr. Schmidt (1914), J. Marx, J. Bittner, E. Wellesz (1915), L. Janáček, H. Gál (1916), Béla Bartók (1917), A. Hába (1918), W. Grosz, F. Petyrek (1919), Zoltán Kodály, A. Webern, W. Kienzl (1920), E. Krenek, K. Rathaus, Ottorino Respighi (1921), Darius Milhaud, Gian Francesco Malipiero (1922), Alban Berg, H. Eisler (1923), K. Weill, E. Schulhoff (1924), J. M. Hauer (1925), Bohuslav Martinů, E. d’Albert (1926), Arthur Honegger (1927), M. Brand, Erik Satie (1928), H. Jelinek (1930), H. E. Apostel (1931), J. Takács (1932), Othmar Schoeck, Dmitri Schostakowitsch (1933), A. Uhl (1938), Frank Martin, K. Schiske (1940), Th. Berger (1941), G. v. Einem (1943),A. Heiller (1945), Luigi Dallapiccola, P. Angerer (1946), Rolf Liebermann 1947, Olivier Messiaen, Nikos Skalkottas (1952), Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen, P. Kont, G. Rühm (1953), Francis Burt (1954), Richard Rodney Bennett (1955), Henri Pousseur, Herbert Eimert, Bo Nilsson (1956), K. H. Füssl, R. Haubenstock-Ramati (1957), Luciano Berio, Mauricio Kagel, G. Lampersberg (1958), G. Ligeti (1960), Cristóbal Halffter (1961), F. Cerha, R. Kubelik (1962), A. Logothetis (1963), K. Schwertsik (1966), Arvo Pärt, Earle Brown (1968), Morton Feldman (1969), György Kurtág, Alfred Schnittke (1972), Wolfgang Rihm, G. Kahowez (1975), Steve Reich (1978), M. Haselböck (1979), Th. D. Schlee (1981), B. Furrer (1984), Hans Zender (1986), Julian Yu, K. H. Essl (1989), G. Neuwirth (1993), G. F. Haas (1994), Ian Wilson (1996), Georges Lentz (1997), Daniel Schnyder (1998), Vykintas Baltakas, J. M. Staud (2000).

Die Gesamtausgaben folgender Komponisten erschienen bzw. erscheinen bei der UE: Claudio Monteverdi (1926–42, NA 1966–68), G. Mahler (seit 1962), Schönberg (seit 1966), K. Szymanowski (seit 1981, gem. mit der PWM-Edition Krakau [Kraków/PL] und Max Eschig, Paris), Berg (seit 1994). 1919–38 erschienen hier auch die Denkmäler der Tonkunst in Österreich . Mit der Wiener Urtext Edition (seit 1973, gem. mit Schott) entstanden gleichermaßen wissenschaftlich fundierte wie praxisorientierte Ausgaben. Seit 1927 erscheinen auch die Philharmonia Taschenpartituren bei der UE. Als Beispiele für Spiel- und Unterrichtsliteratur seien die Reihen Continuo (seit 1934), Rote Reihe (seit 1969, für neue Musik) und Reihe Jazz (seit 1970) genannt, als Schriften von Komponisten die Harmonielehren von Schönberg (1911), Hába (1927) und J. Marx/F. Bayer (1933), mehrere Arbeiten von Hauer und dem Musiktheoretiker H. Schenker. Bei der UE erschienen ferner die Musikzeitschriften Musica divina (1913–38), (Musikblätter des) Anbruch (1919–37, digitale Faksimile-Ausg. 2000), Pult und Taktstock (1924–37) und Schrifttanz (1928–31), ferner das Haydn Yearbook (1962–75), Die Reihe. Informationen über elektronische Musik (1955–62) und die überwiegend von O. Kolleritsch herausgegebenen Studien zur Wertungsforschung (1972ff).


Literatur
(chron.) H. W. Heinsheimer/P. Stefan (Hg.), 25 Jahre Neue Musik 1926 (= Jb. 1926 der UE); H. W. Heinsheimer, Menagerie in F Sharp 1947 (dt. Menagerie in Fis Dur, hg. v. W. Reich 1953); Riemann 1961 u. 1975; MGG 13 (1966); H. W. Heinsheimer, Best regards to Aida: the defeats and victories of a music man on two continents 1968; H.-M. Plesske in Beiträge zur Gesch. des Buchwesens 3 (1968); E. Hilmar (Hg.), [Kat.] 75 Jahre UE (1901–1976), 1976; R. Stephan in ÖMZ 36 (1981); E. Hilmar (Hg.), 40.000 Musikerbriefe auf Knopfdruck. Methoden der Verschlagwortung anhand des UE-Briefwechsels – Untersuchungen – Detailergebnisse 1989; M. G. Hall, Österr. Verlagsgesch. 1918–1938, 1985; ÖL 1995; SchubertL 1997; UE 1901–2001, hg. von der UE AG Wien 2000; 100 Jahre UE = ÖMZ 56/8–9 (2001) [Themenheft]; NGroveD 26 (2001); O. Kolleritsch (Hg.), [Kgr.-Ber.] Der Musikverlag u. seine Komponisten im 21. Jh. Zum 100-jährigen Jubiläum der UE 2002; K. H. Kowalke in M. H. Kater/A. Riethmüller (Hg.), Music and Nazism: Art under tyranny, 1933–1945, 2003; U. Schwarz, Das Wr. Verlagswesen der Nachkriegszeit, Dipl.arb. Wien 2003; Novitäten-Anzeiger für den Sortiments und Kolportage-Buchhandel 15.11.1911, 8; www.universaledition.com (5/2015); Verlagsarchiv z. T. in der WStLB.

Autor(en)
Barbara Boisits
Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Art. „Universal Edition (UE)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 16/10/2018]